Zum Erfolg von Heinrich Stemberger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg gibt es auf vielen Linien. Erfolg ist die Summe aller Ereignisse, die maßgeblich sind, um ein glückliches, erfülltes Leben zu führen. Wesentlich ist es aber, Spuren zu hinterlassen, die auch nach dem Ableben noch sichtbar sind - sei es durch Publikationen oder andere Erinnerungen. Eine meiner großen Freuden, die für mich auch Erfolg bedeuten, sind die Möbelstücke, die ich erzeuge. Obwohl ich weiß, daß man Anerkennung mit Vorsicht genießen muß, ist sie mir dennoch ein Maßstab meines Erfolges.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, trotz meiner drei Ehen ist es mir gelungen, eine befriedigende Familiensituation herbeizuführen, das Institut trotz widriger Umstände am Leben zu erhalten und sogar zu einem Ruf als renommierte Institution zu verhelfen. Viele Menschen kennen und schätzen mich auch als guten Arzt. Zu meinen Erfolgen zähle ich auch das wunderschöne Haus, das wir uns vor zwei Jahren haben bauen lassen.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Zähigkeit, das heißt die Fähigkeit, mich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, außerdem Fleiß und das Vermögen, rasche, intuitive Entscheidungen zu treffen. Meinen Wechsel von der Universität in das Berufsleben würde ich als Übertritt vom Spiel- ins Erwachsenenalter bezeichnen. Ich lernte auch, daß so manches Unglück zum Anstoß für eine neue Entwicklung war.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Entscheidungen treffe ich rein emotional, also aus dem Bauch heraus. So war z.B. die Entscheidung maßgebend, nicht der Nachfolger meines Vaters als Gemeindearzt in der Ramsau zu werden, sondern die Universitätslaufbahn einzuschlagen. Dann folgte die Entscheidung, mich selbständig zu machen und mich dem freien Wettbewerb auszusetzen. Das bestätigte mir, daß ich gegen widrige Umstände aus eigener Kraft etwas zustande bringen kann. Die jüngste Entscheidung, den Arzneimittelgroßhandel zu gründen, war ebenfalls eine sehr gute.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ich wollte immer Arzt werden, dabei war mein Vater für mich Ikone und Identifikationsobjekt. Darüber hinaus gab es Prof. Wiedermann, der mich vor allem im Bereich der wissenschaftlichen Arbeit beeinflußte. Im praktischen Bereich war es eher umgekehrt.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die wichtigste Anerkennung kommt von meiner Frau - danach bin ich richtig süchtig. Wichtig ist mir auch die Erwartungshaltung der Menschen; viele glauben, daß ich sie gut beraten und behandeln kann.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Die Reiseprohylaxe wird zu wenig standardisiert, und viele Institute, die zu den Trendsettern gehören, haben nicht ausreichend die Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen. Meiner Überzeugung nach wäre eine Vereinheitlichung wünschenswert, wobei an diesem Problem bereits gearbeitet wird. Ein kommendes Problem ist die Finanzierung der neuen Impfung gegen Gebärmutterkrebs. Das wird eine sehr schwierige gesellschaftspolitische Diskussion werden.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Die Seriosität sowie die sofortige Einführung jeglicher neuer medizinischer Erkenntnisse in die Praxis.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Die Familie gibt mir den wesentlichen Sinn für das Leben. Meine soziale Stellung ist für meine Kinder natürlich von Nutzen, aber mittlerweile profitiere ich auch umgekehrt vom Erfolg meiner Töchter Julia und Katharina Stemberger. Das Familienoberhaupt bin in Wahrheit ja nicht ich, sondern eigentlich meine Frau.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Man soll so schnell wie möglich in die Selbständigkeit gehen, weg vom Lohnsklaventum! Wichtig ist es, die Menschen zu lieben, das Liebenswerte an ihnen zu erkennen und ihnen klarzumachen, daß sie liebenswert sind. Einem jungen Menschen würde ich raten, das zu machen, was er gern tut und einen Beruf nicht wegen des Geldes wegen anzustreben. Der Beruf, in dem man aufgeht, wird auch zum Erfolg führen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich wünsche mir, das Institut eines Tages gemeinsam mit einer kompetenten Person in Form von Time-Sharing zu führen und sechs Monate pro Jahr in Hawaii zu leben. Außerdem wünsche ich mir, daß mir die Ausübung meines Berufes auch weiterhin Freude macht.