Zur Karriere von Eugenia Lumes
Wie war Ihr Werdegang?
Meine Mutter unterrichtete Russisch und Literatur, meine Tante war Bibliothekarin und so bekam ich schon in jungen Jahren den Bezug zu Büchern. Ich war mit der Vielfalt der Literatur, mit ihren besten Beispielen konfrontiert und las sogar heimlich mit der Taschenlampe unter der Decke. Ich wuchs in der Provinz, im Herzen Rußlands auf, wo sich ein gutes Theater befand. Von meinem 11. bis zu meinem 13. Lebensjahr ging ich jeden Sonntag vormittag dorthin und habe mich in die Theaterwelt versetzt. In der Schule konnte ich zusätzlich den Theaterunterricht in Anspruch nehmen und machte so meine ersten Schauspielerfahrungen. Nach Absolvierung der Schule nahm ich an den Aufnahmeprüfungen der Hochschule für darstellende Kunst teil. Für den renommierten Meister, der das Sagen hatte, war ich zu klein und somit nicht brauchbar. Ein Jahr später ging ich nach Moskau, wo ich jobbt und das Kulturleben der Stadt kennenlernte. Ich heiratete einen Studenten - einen zukünftigen Wissenschafter. Bald darauf kam meine erste Tochter zur Welt, und wir zogen in die Nähe von Moskau, wo reges geistiges Leben herrschte. Der Schwerpunkt meiner Interessen liegt in Theater, Literatur, Ausstellungen und Kunst im allgemeinen. Ich absolvierte die Pädagogische Akademie und begann als Referentin in der Direktion des wissenschaftlichen Zentrums zu arbeiten. Durch die Bücher des amerikanischen Schriftstellers Arthur Hailey, der unter anderem dem Roman Hotel schrieb, wurde in mir der Wunsch wach, in der Hotelbranche zu arbeiten. Plötzlich ergab es sich, einen Hotelmanagementkurs zu besuchen, und ich nahm diese Möglichkeit war. Alles im Leben hat seinen Preis. Ich mußte kündigen, weil die Arbeitgeber nicht bereit waren, mir diese Ausbildung zu ermöglichen. Ich zahlte selbst den Kurs, was meine ganzen Ersparnisse aufbrauchte. Mein Mann akzeptierte meine Entscheidung nicht, was später mit Scheidung endete. Die Ausbildung war sehr gut, wir hatten als Vortragende die Kapazitäten des westlichen Tourismus und der Hotelerie, unter anderem den Direktor der Hotelfachschule in Lausanne, was damals eine Seltenheit in Rußland war. Ich schloß den Kurs mit sehr guten Ergebnissen und einem Diplom ab, konnte aber keine Stelle finden. Nach einer verzweifelten Suche rief ich einen ehemaligen Kurspartner an, der eine hohe Position in der Branche hatte, er half mir eine Beschäftigung zu finden. Durch Zufall kam ich dann zu einem Joint-Venture. Im Auftrag der Akademie der Wissenschaften bauten die Österreicher in Moskau ein Hotel und man hat mich dort für das Protokoll eingestellt. Einmal war ich auf einer Dienstreise in Österreich und das Land ließ mich nicht mehr los. Ich heiratete und begann mir hier zu etablieren. Voraussetzung war, daß ich Österreich ins Herz schloß und heute als meine zweite Heimat betrachte. Zu Beginn arbeitete ich als Kassiererin in einem DM-Markt, später als Administratorin in einem russischen Restaurant, hatte aber immer das Ziel, ein eigenes Hotel zu haben. Ich fand einen Konsulent vom WIFI, der sich mit Hotels beschäftigte und mir sehr half. Wir fanden einen passenden Standort, ich bekam Kredite und eröffnete 1997 die Pension. Meine Töchter haben ihre Ersparnisse zur Verfügung gestellt, darum heißt unser Unternehmen Lumes & Co. Ein Jahr haben wir nur investiert - dann erst zeichnete sich langsam Gewinn ab.