Zum Erfolg von Hans Pollak
Was ist für Sie Erfolg?
Es ist wohl das Erreichen eines gewissen Berufsziels, und ich meine, daß jeder, der den Beruf des Richters ergreift, entweder das Berufsziel hat in der Justizverwaltung etwas zu erreichen, oder versucht, in der Instanz möglichst hoch hinauf zu kommen.
Ihr Erfolgsrezept?
Um die Position des Präsidenten eines Landegerichts zu erlangen, bedarf es zweier Dinge. Erstens: Ärmel aufkrempeln, arbeiten und wieder arbeiten. Man hat sich täglich zu fragen: Habe ich heute korrekt und ordentlich gearbeitet, war ich wirklich gut auf die Verhandlung vorbereitet, war ich konzentriert? Zweitens: Glück. Bei mir war dies, daß der aktive Präsident eines Landesgerichts zu einem anderen Landesgericht wechselt. Mein Vorgänger, Hofrat Dr. Lentner hat sich entschlossen, nach St. Pölten zu gehen. Er wollte Präsident des Landesgerichtes der Landeshauptstadt werden. Damit stand für mich in jungen Jahren, im Alter von 52, die Tür zum Präsidenten des Landesgerichts Krems offen. Wir waren zwei Bewerber, mein Mitbewerber war Herr Dr. Hartl, der nunmehrige Präsident von Korneuburg. Wir hatten miteinander gesprochen, es war für ihn klar, daß sein Präsident in Kürze in Pension gehen würde und er nach Korneuburg tendiere. Im Falle seiner Ernennung müsse er täglich nach Krems fahren und ich vielleicht in die Gegenrichtung nach Korneuburg. Der Herr Bundesminister hat dann in unser beider Interesse entschieden, und so haben wir beide unsere Ziele erreicht.Haben Sie Ihre Tätigkeit angestrebt? Während des Studiums war mein Berufsziel Richter. Die entscheidenden Kriterien dafür waren die Unabhängigkeit und die Freiheit des Berufs, aber auch die Last der Verantwortung. Ich wollte niemanden haben, der mir Befehle erteilt, wollte für mich selbst verantwortlich sein. Ich empfand allerdings Freiheit und Unabhängigkeit nicht als Privileg, sondern als Aufgabe. In dieser meiner Auffassung wurde ich von einem meiner Lehrer geprägt, es war dies der Präsident des Verfassungsgerichtshofs Antoniolli. Ich erinnere mich heute noch an seine Vorlesungen und folgenden Satz: Und wenn der Herr Justizminister zur Tür hereinkommt und versucht, ihnen als Richter eine Weisung zu geben, schmeißen sie den Kerl hinaus. Ich habe mich immer schon für die Justizverwaltung interessiert, ich habe gewußt, daß ich das machen und vielleicht auch etwas bewegen kann.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Wenn man zur Gruppe der 21 Präsidenten von Landesgerichten Österreichs gehört, kann man von beruflichen Erfolg sprechen.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Wir sind im Landesgericht und auch im Bezirksgericht insgesamt 30 Richter. Die Auswahl der Richter geschieht durch das Bundesministerium für Justiz. Es gibt einen gesetzlichen Bewerbungsvorgang mit Ausschreibungen. Ein Aussuchen wie in der Privatwirtschaft gibt es in diesem Fall nicht.Wie gehen Sie mit Kollegen um? Ich bin sehr viel im Haus unterwegs. Das Landesgericht ist von der Größe her überschaubar, dadurch kenne ich alle Mitarbeiter seit vielen Jahren. Ich gehe ganz bewußt durch das Haus, denn da erfährt und sieht man mehr als in den eigenen Präsidentenwänden.Welche Rolle spielt Anerkennung für Sie? Anerkennung freut mich. Für mich gibt es Anerkennung von der vorgesetzten Dienstbehörde.Haben Sie Niederlagen erlebt? Glücklicherweise bin ich von Niederlagen verschont geblieben.
Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft?
Ich schöpfe meine Kraft aus meiner Herkunft. Meine Mutter stammt aus dem Weinviertel, im Hintergrund gibt es da bäuerliche Wurzeln. Väterlicherseits stamme ich aus dem Erzgebirge, da waren die Vorfahren sogenannte Böhmische Musikanten. Ich schöpfe aber auch Kraft aus meinem intakten Familienleben, bin glücklich verheiratet (schon bald 30 Jahre). Sehr entscheidend ist auch, daß ich ein gläubiger Mensch im Sinne eines praktizierenden Katholiken bin. Ich gehe jeden Sonntag zur Kirche und bin überzeugt, daß ich mir da Kraft und Energie hole.
Ihre Ziele?
Ich habe viel erreicht und habe momentan keine anzustrebenden Ziele. Wenn sich zufällig etwas ergibt, würde es mich freuen. Vielleicht ein Lehrauftrag an der Donau-Universität.Haben Sie ein Lebensmotto? Mich beeindruckt der Leitsatz der Benediktiner: ora et labora.Welchen Ratschlag für Erfolg würden Sie gern weitergeben? Die Jugend soll sich überlegen, daß Rechtswissenschaften eine Wissenschaft ist und nicht etwas, daß man so nebenbei macht.