Zum Erfolg von Gerhard Bergmann
Was ist für Sie persönlicher Erfolg? Ich unterscheide zwischen beruflichem und privatem Erfolg. Privater Erfolg bedeutet ein glückliches, konfliktfreies Ehe- und Familienleben zu haben. Es ist Schicksal, ob man im richtigen Moment den passenden Partner kennenlernt, denn persönliches Glück kann man nicht planen. Beruflicher Erfolg liegt darin, daß ich das was ich tue gern mache. Ich war ein erfolgreicher Steuerberater mit einer großen Kanzlei und einem schönen Einkommen, trotzdem interessierte mich dieser Beruf nicht. Obwohl ich ein guter Steuerberater war, hat mich diese Tätigkeit nicht befriedigt, war aber ein Sprungbrett für mein weiteres Leben.
Sehen Sie sich persönlich als erfolgreich? Sogar als sehr erfolgreich, weil ich zwei Jobs habe: das Motorboot Charter-Geschäft und die Freizeit- und Hotelanlage. Beides betreibe ich sehr gern - wie ein Hobby. Die Sommermonate verbringe ich am Meer und in den Wintermonaten gehe ich in einer wunderschönen Freizeitanlage meinen sportlichen Aktivitäten nach.
Was soll man auf dem Erfolgsweg beachten? Ein gewisser Einsatz in bestimmten Zeiten ist notwendig. In beiden Jobs war es zu Beginn sehr hart: meine Frau und ich arbeiteten Tag und Nacht, um das in die richtigen Bahnen zu bringen. Das angeeignete Wissen als Steuerberater und die gute kaufmännische Ausbildung war wirtschaftlich wichtig. Denn ein guter Fitneß-Mann ist nicht automatisch auch ein guter Unternehmer und einer, der gern Boot fährt, muß kein guter Charterer sein - beides ist in mir vereint.
Ziehen Sie ein großes Ziel oder kleinere vor? Ich bin der Typ, der große, ferngesteckte Ziele anstrebt. Mich interessiert nicht die Detailarbeit, sondern das Visionäre. Meine Frau setzt die notwendigen kleinen Schritte, weil die großen Ziele ohne Verfolgen der kleinen nicht zu erreichen sind und umgekehrt. Deshalb ist eine Partnerschaft wichtig, wo beide Teile abgedeckt werden. Ich selbst möchte in Zukunft weniger arbeiten und mehr Sport betreiben.
Wie stehen Sie zu Teamarbeit und Motivation? Ein gutes Team ist mit Abstand das Wichtigste zum Erfolg. Ein gutes Team bedeutet, daß sich die einzelnen Personen nicht nur als Mitarbeiter fühlen, sondern mit dem Unternehmen mitleben, sich identifizieren und dessen Interessen vertreten. Die Motivation ist dadurch gegeben, daß wir mit unseren Leuten ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Wie geben ihnen nie das Gefühl, daß wir die großen Chefs und sie die kleinen Mitarbeiter sind. Zum Beispiel laden wir unsere Mitarbeiter aus Wien auf ein Boots-Wochenende oder ähnliche Urlaube ein.
Wie soll man sich bei unvorhergesehenen Quereinflüssen verhalten? Das ist eine schwierige Frage. Natürlich hatte auch ich Rückschläge in meiner Berufslaufbahn. An den Zielen festhalten und versuchen, diese unangenehme Situation zu umschiffen. Wenn ich ein Ziel für mich definiert habe und mir dieses erstrebenswert scheint, soll man auf diesem beharren. Aber durch gewisse, unerwartete Ereignisse kann es durchaus sein, daß man sich das Ziel neu überlegen muß. Vielleicht kommt man d'rauf, dieses war doch nicht so ideal. Kreisky sagte einmal etwas sehr Schlaues, als ein Reporter meinte: Herr Bundeskanzler, vor 14 Tagen sagten Sie etwas anderes, nämlich genau das Umgekehrte! - Antwort Kreisky: Sehen Sie, junger Mann, es soll einen niemand daran hindern, klüger zu werden!
Wie sieht Sie Ihr Umfeld? Meine Freunde aus meiner Steuerberatungszeit beneiden mich. Leute, die mich nicht so gut kennen werden denken: Wie kann man als Steuerberater aufhören? Der hatte doch so einen schönen Beruf. Aber das sind Menschen, die mir nicht unbedingt gut gesinnt sind.
Gibt es eine Lebensphilosophie? Ich halte mich während meiner ganzen beruflichen Laufbahn nach dem Spruch: Wenn du die Karriereleiter hinaufsteigst, sei freundlich zu allen Leuten, die du triffst, weil du könntest ihnen beim Hinuntersteigen wieder begegnen!
Wo liegen Ihre persönlichen Stärken? Wichtig ist meine fundierte Grundausbildung wirtschaftlicher Art. Alleine jedes Gespräch bei einer Bank, wenn ich als Steuerberater um einen Kredit ansuche, wird ernst genommen. Ich bin ein umgänglicher Mensch und kann vom Bundespräsidenten bis zum Hilfsarbeiter mit jedem gleich gut reden. Das ist mein naturell, so war es auch in meinem Elternhaus und das erleichtert mir beruflich vieles. Ich betrachte jeden Menschen als gleich wertvoll.
Welche Spezialitäten bieten Ihre Unternehmen? 1.) Was das Sporthotel betrifft ist es so, daß es heutzutage nicht leicht ist, eine Freizeitanlage mit Erfolg zu betreiben. Tennis stagniert, es gibt mehr Angebote und die Leute wollen immer weniger bezahlen. Wir im Hause decken mit einer Infrastruktur viele Erlösquellen ab. Das war auch der Grund, warum wir ein Hotel mit 30 Vier-Sterne - Hotelzimmer dazubauten. Unsere Gäste nehmen das gern an - wir sind ausgebucht. Zusätzlich betreiben wir seit zwei Jahren die Tennishalle Freizeit 2000, die der Firma Porsche gehört. 2.) Im Charterbereich verfügen wir über 28 Motor-Yachten - weltweit gibt es kein größeres Unternehmen. Motorboote sind technisch schwer zu warten, deshalb suchte ich mir in Kroatien einen Partner, der diese Betreuung übernahm. Als einer der wenigen Vercharterer bieten wir ein gutes Service-Team, darauf beruht unser Erfolg. Unser kleinstes Schiff ist 34 Fuß, das größte 62. Der Vorteil für unsere Mieter ist, daß sie wissen, ein schlagkräftiges Service-Team bei der Hand zu haben. Hat er ein Problem, ruft er beim Stützpunkt an und in kürzester Zeit löst ein Service-Boot dieses. Wir bereiten unsere Boote für die Saison so vor, als würden wir ein Flugzeug warten.