Zum Erfolg von Ludwig Draxler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Beruflich bedeutet Erfolg das Erreichen der gesteckten Ziele, was es ermöglicht, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Privat heißt Erfolg, ein hohes Maß an Zufriedenheit zu gewinnen, was sich auch auf den beruflichen Bereich positiv auswirkt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich habe im wesentlichen das erreicht, was ich in meinem Leben erreichen wollte.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich glaube, daß in erster Linie die fundierte Ausbildung, die ich genossen habe, für meinen Erfolg ausschlaggebend war. Es war zudem wesentlich, mir vernünftige, realistische Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen - das schließt auch ein, daß man sich von Rückschlägen, die es auch immer wieder gibt, nicht von seinem Weg abbringen lassen und das Ziel nicht aus den Augen verlieren darf. Rückschläge gehören zum Alltag eines Rechtsanwaltes dazu, und jeder verlorene Fall ließe sich als Mißerfolg betrachten. Für mich gibt es aber keine Mißerfolge, weil ich sie als Chance sehe, in der Zukunft noch erfolgreicher zu sein. Die Bewältigung von Mißerfolgen ist ein ständiger Lernprozeß, der einen voranbringen muß. Von Bedeutung ist ebenfalls, Einfühlungsvermögen zu besitzen, um sich in die Situation des Klienten versetzen zu können und ihm die beste Lösung für sein Problem anzubieten.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Erfolg ist ein relativer Begriff. Es gibt viele erfolgreiche Anwälte in Österreich und auf der Welt, ich sehe mich nicht unbedingt als einer der erfolgreichsten unter ihnen. Ich habe mir eine Position erarbeitet, die sich gewissermaßen vorzeigen läßt.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Es gab im Laufe des Berufslebens öfters Situationen, in denen ich Entscheidungen zu treffen hatte, die eine gewisse Veränderung mit sich brachten. So gab es beispielsweise in der niederösterreichischen Kommunalstruktur Mitte der siebziger Jahre eine Zeit, da zahlreiche Gemeinden zusammengelegt wurden, die Zahl der Gemeinden wurde damals halbiert. Dies führte zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Ich war der erste und auch einzige Anwalt, der diese Bestrebungen anfocht und zahlreiche Gemeinden wieder zum Erstehen brachte, obwohl die Erfolgschancen damals von sehr vielen Leuten als sehr gering eingeschätzt wurden.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Das war natürlich mein Vater, mit dem ich lange Zeit zusammenarbeitete. Er war mir in vielen Dingen ein Vorbild und prägte mich in meiner Einstellung zum Beruf des Rechtsanwaltes. Auch einige Klienten, die ich hier nicht namentlich nennen möchte, weil es sich um bekannte Persönlichkeiten handelt, haben einen wesentlichen Einfluß auf mich ausgeübt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Ich sehe vor allem noch Probleme bei der grenzüberschreitenden Aktivität von Anwälten. Insbesondere in Österreich herrscht noch eine Diskriminierung von Anwälten aus dem Ausland (auch aus EU-Ländern) vor. Im zwischenstaatlichen Bereich muß also noch einiges verbessert werden. Weiters halte ich das Disziplinarrecht der Anwälte in Österreich für überholt. Es ist über 200 Jahre alt und paßt nicht mehr in die moderne Anwaltsstruktur.Welche sind die Stärken Ihrer Kanzlei? Wir sind vor allem im wirtschaftlichen und im Immobilienbereich verankert und kümmern uns um Stiftungen und Gesellschaftsgründungen - Tätigkeiten, die für Wirtschaftskanzleien üblich sind.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich sehe in meinen Kollegen keine Konkurrenten. Wir arbeiten mit ihnen zusammen und wenden uns auch an sie, wenn wir beispielsweise auf einem bestimmten Rechtsgebiet über weniger Erfahrung verfügen als andere.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Da ich mich in meinem Alter nicht mehr mit der täglichen Kleinarbeit auseinandersetzen muß und mich auf hervorragende Mitarbeiter verlassen kann, wirkt sich dies sehr günstig auf das Familien- und Privatleben aus. Ich habe nun mehr Zeit, um mich insbesondere im Bereich der Kunst Dingen zu widmen, die mich interessieren und erfreuen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich halte eine gute Ausbildung für das wichtigste, was man der Jugend mitgeben kann. Ich meine auch, daß die jungen Menschen einen Beruf wählen sollten, der sie erfüllt, ihnen Freude macht und ihren Talenten entspricht, und nicht einen, den sich vielleicht die Eltern vorstellen. „Carpe diem“ sollte ein Leitsatz für die Jugend sein.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte noch möglichst lange so arbeiten wie bisher und mich auch noch zunehmend meinen Interessen widmen. Unmittelbar beschäftige ich mich auch mit der Entwicklung eines weiteren Kleinkraftwerkes und eines Investmentfonds. Vielleicht werde ich auch noch ein Buch schreiben.