Zum Erfolg von Martin Kössner
Was verstehen Sie unter Erfolg? Einerseits bin ich den Aktionären verpflichtet, andererseits den Mitarbeitern. Daher ist es immer wieder ein Spagat, welchen meistens die Aktionäre gewinnen. Je besser ich diese beiden Komponenten unter einen Hut bringe, desto besser ist es. Dazu gehört fachliches Wissen und die Fähigkeit, daß man teilweise konträrer Meinung ist. Von dem was der Aktionär wirklich will, das heißt, daß man unter Umständen mehr aus dem Mitarbeiter herausholt, und dies für ihn noch immer eine Motivation darstellt.Woher kommt die Triebfeder? Ich hatte nie die Absicht, in diesem Unternehmen zu arbeiten, andererseits interessierten mich Aktien bzw. Wertpapiere schon immer; ich hätte aber nicht gedacht, daß ich zehn Jahre später als Vorstand in diesem Unternehmen tätig sein werde. Ich bin somit an der Herausforderung gewachsen, und eine geplante Karriere gab es nie.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, ausschlaggebend war sicher, daß ich die Menschen unter einen Hut bringen kann. Eine Mischung aus fachlicher Kompetenz und der Fähigkeit die Mitarbeiterführung zu beherrschen.Wie erfolgt die Motivation der Mitarbeiter? Meiner Erfahrung nach gibt es drei Kategorien von Mitarbeitern; der eine braucht Streicheleinheiten, der andere will mehr Freizeit und der Dritte möchte mehr Geld. Somit sind wir wieder bei der Problematik, wie bringt man diese Arten unter einen Hut.Wie sehen Sie die Marktsituation betreffend Mitbewerber? Wir haben keine Probleme mit den Mitbewerbern, egal um welches Unternehmen es sich handelt. Wir kommunizieren mit allen Mitbewerbern; bevor wir uns gegenseitig zu Tode konkurrenzieren sprechen wir gemeinsam über die Probleme.Wie sehen Sie die Bereiche Beruf und Privatleben? Ich bin ein Wochenend-Burgenländer, wenn ich die Wiener Stadtgrenze passiere, achte ich darauf, daß mich keine beruflichen Probleme beschäftigen können.Welchen Tip geben Sie Neueinsteigern mit? Wichtig ist es, daß das theoretische Fachwissen sehr schnell in die Praxis umgesetzt wird, das heißt, es ist ein Geschäft, wo es nicht so wichtig ist, daß man alles weiß, aber sofort erkennt wenn neue Nachrichten kommen, wie werte ich sie und wie der Markt. Dies ist jener Punkt, welchen man nicht lernen kann - die Praxis ist nicht zu erlernen. Die beste Schule war das Parkett der Wiener Börse, das heißt man bekam mit, wie der Handel zustande kommt. Jetzt, vor dem EDV-Schirm, hat es der neue Mitarbeiter nicht mehr so einfach. Wenn eine Meldung kommt, stellt sich die Frage, wie der Markt reagieren wird und so weiter. Von der Emotion her war die Praxis an der Wiener Börse sicherlich die beste Schule, die es gab.Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung dieser Branche? Wenn Österreich es schafft, die Brückenkopf-Funktion zum Osten zu werden, gebe ich diesem Land eine Chance. Nur mit österreichischen Werten funktioniert dies nicht mehr. Die Bank Austria war nicht die letzte Bank, die gekauft wurde.Welche Ziele verfolgen Sie? Ich strebe ein kontinuierliches Wachstum im Osten an, und zwar in die Richtung gehend, daß das Netzwerk im Osten so stark wird, um, wenn die Entscheidung fällt, ob Frankfurt, London oder Wien die Drehscheibe wird, gerüstet zu sein.