Zum Erfolg von Norbert Blecha
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg? Ich habe mir meinen Lebenstraum - im Filmbusiness tätig zu sein - erfüllt, dabei habe ich nicht lange analysiert, sondern aus dem Bauch heraus entschieden. Diese Vorgehensweise war langfristig richtig, auch wenn ich öfter Geld verlor. Da mir Geld aber nicht viel bedeutet, war das nie ein Problem.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
In meinem Geschäft ist der Umgang mit Menschen oft ausschlaggebend: Menschen zu motivieren, Investoren zu überzeugen und mich auch von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, sind wichtige Voraussetzungen. Ich habe ein großes Durchstehvermögen. Durchschnittlich benötigt ein Projekt ein bis zwei Jahre bis zur tatsächlichen Realisierung, ich hatte aber auch schon Projekte, die erst nach sieben Jahren umgesetzt wurden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Ich möchte an meinem Leben nichts ändern und auch bei allen Rückschlägen nichts missen.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Die Meinungen sind sehr kontrovers; zum Teil bewundert man mich, und einigen ist meine Tätigkeit suspekt, weil sie sich nicht vorstellen können, daß man als Österreicher in Österreich internationale Projekte verwirklichen kann. Wenn man hierzulande Erfolg hat, ist die Neidgenossenschaft sehr groß. Das bin ich gewohnt, aber da ich für mich und nicht für andere lebe, ist es mir egal.Was ist für Erfolg hinderlich? Labilität. Die Tätigkeit als Filmproduzent ist für Außenstehende sehr klischeebehaftet und sieht sehr viel glamouröser aus, als sie in der Realität ist.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich entscheide von Film zu Film. Eine falsche Entscheidung kann den finanziellen Ruin bedeuten, damit muß ich leben. Von meiner Oscar-Nominierung vor zehn Jahren kann ich mir heute nichts mehr kaufen. Für Investoren zählt immer nur der letzte Film.Wieviel Zeit nehmen Sie sich für Entscheidungen? Entscheidungen bespreche ich mit meiner Lebensgefährtin, ich höre mir andere Meinungen an, letztlich entscheide ich aber intuitiv. Wann und wie erkannten Sie Ihre Fähigkeiten? Meine ersten Kinoerlebnisse prägten mich schon als Kind. Da ich aber nur begrenzt kreativ tätig bin, ist mein Erfolg weniger auf meine Begabung zurückzuführen: ich muß nur fest an mich selbst und das jeweilige Projekt glauben, dann kann ich es auch umsetzen. Mir tun Menschen, die ihren Job nur wegen des Geldes machen müssen, leid; aber nur wenige können ihr Hobby auch zum Beruf machen.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld bei Ihrem Erfolg? Für mich ist ein ausgeglichenes Privatleben sehr wichtig. Mitarbeiter wähle ich persönlich aus, da eine gute persönliche Beziehung mit ihnen für harmonische Zusammenarbeit sehr wichtig ist.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich versuche nicht zu imitieren, man kann aber in diesem Geschäft auch durch Imitation Erfolg haben, wie man weiß - so ist beispielsweise die österreichische Serie Kommissar Rex nach dem Vorbild von Mein Partner mit der kalten Schnauze sehr erfolgreich geworden.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich erfahre viel Anerkennung - manchmal in Form von Preisen für meine Filme, die wichtigste Anerkennung bekomme ich jedoch aus dem Freundeskreis und von meiner Partnerin.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Intuitiv, nach Sympathie und Professionalität. Wie motivieren Sie Mitarbeiter? In diesem Business sind die meisten von selbst sehr motiviert.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Leider wenig - außer für diverse Computerprogramme -, da mich mein Beruf täglich 14 bis 16 Stunden in Anspruch nimmt.Was bedeuten für Sie Niederlagen? Da Rückschläge zu diesem Geschäft einfach dazugehören, kann ich mit ihnen ganz gut umgehen. Mich motivieren sie nach dem Motto Jetzt erst recht.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich rate jedem, das zu verwirklichen, was er sich vorgenommen hat und gerne machen würde, und sich durch nichts abschrecken zu lassen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte rückblickend auf viele Filme, die ich der Nachwelt hinterlassen kann, stolz sein. Als meinen persönlichen Kulturauftrag sehe ich, daß man von meinen Filmen auch in hundert Jahren noch sprechen soll.
Ihr Lebensmotto?
Jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte.