Zum Erfolg von Bruno Wagner
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg wird zunächst dadurch bedingt, daß man von seiner ausgeübten Tätigkeit leben kann und bedeutet, einen gewissen Grad an Unabhängigkeit zu erreichen und die Dinge, die man für richtig hält, zu realisieren. Die dritte Komponente des Erfolges ist die Freude, die man bei der Ausübung seiner Tätigkeit empfindet – zumindest über weite Strecken. Dabei denke ich jedoch, daß letzteres umso schwieriger wird, je höher man die Karriereleiter emporklettert; da man somit immer mehr Letztverantwortung über jene Dinge erhält, die „weiter unten“ nicht funktioniert haben – man beschäftigt sich also vielfach mit der Behebung von Störungen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
An den drei oben genannten Parametern gemessen – ja.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich denke, daß es der Umstand war, meine Tätigkeiten so auszuüben, daß sie effizient sind; ohne viel Wind darum zu machen. Es ist die kontinuierliche, stabile und konsequente Entwicklungsarbeit. Dies hat auch mit dem Gegenstand meiner Tätigkeit, der Bildung, zu tun, der ja auch eine mittel- bis längerfristige Weiterentwicklung abzielt. Ich hatte nie das definitive Ziel, in einer Führungsposition tätig zu sein; ich bin in meine heutige Tätigkeit sozusagen hineingewachsen. Ich sehe mich heute vor der Aufgabe, den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, den Rücken freizuhalten, Störfaktoren zu eliminieren und sie gegen Einflüsse von außen (sei es durch Gesellschafter, Seminarteilnehmer oder Kunden) abzuschirmen, ihnen möglichst nicht im Weg zu stehen, um ihnen reibungslose Arbeit zu ermöglichen. Deshalb habe ich die Organisation des Unternehmens so einfach wie möglich – ohne Formalismen – gestaltet.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Meine Mitarbeiter spielen eine absolut wichtige Rolle. Ich schätze meine Person auch so ein, daß ich Mitarbeiter nicht motivieren kann – ich arbeite ausschließlich mit „Selbstläufern“ und kann niemanden dazu bringen, etwas zu tun, wenn er es nicht selbst will.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich rekrutierte meine Mitarbeiter zum Großteil bereits aus meiner vorigen Abteilung und suchte mir diejenigen aus, die mir positiv aufgefallen waren – von denen ich mir wünschte, mit ihnen zusammenarbeiten zu können. Ich erwarte von meinen Mitarbeitern – neben der fachlichen Qualifikation, die ich voraussetzen muß - , daß sie sich von selbst ihrer jeweiligen Aufgabenstellung widmen und verlange einen hohen Grad an Eigenständigkeit. Es ist mir darüber hinaus wichtig, daß meine Mitarbeiter mit wenigen Anweisungen und einer flachen Hierarchie leben können und über einen gewissen „Gestaltungswillen“ verfügen; die Dinge also selbst in die Hand nehmen und nicht auf Vorgaben warten. Ich kommuniziere meinen Mitarbeitern ausschließlich die Unternehmensziele, die auf die Zufriedenheit der Klientel hinauslaufen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich trenne die beiden Bereiche weitestgehend und versuche, möglichst wenig aus meinem Beruf mit nach Hause zu nehmen; auch meine Frau hat sich nie besonders in meine beruflichen Belange „eingemischt“, hier sind wir uns einig. Ich möchte meine Familie nicht als „Regenerationspool“ mißbrauchen, weil ich es unfair finden würde, wenn ich mir meine beruflichen Probleme zu Hause lösen lassen würde. Da ich einigermaßen normierte oder normierbare Arbeitszeiten habe, fällt mir die Trennung zwischen Beruf und Privatleben grundsätzlich nicht schwer.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich bin nicht unbedingt ein Mensch, der sich Ziele steckt; meine berufliche Zielsetzung bewegte sich immer in Richtung Qualität und wurde eher von meinem Anspruch auf Pflichterfüllung getragen. Ich sah meine Aufgaben klar vor mir und zielte immer darauf ab, sie bestmöglich zu erfüllen. Durch meine Sonderstellung außerhalb der Regelabläufe, beziehungsweise formalen Hierarchieorganisation des Hauses, hatte ich niemals besondere Karriereambitionen.