Zum Erfolg von Werner Mitteregger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg? Erfolg ist das Erreichen gesteckter Ziele. Er beinhaltet auch Ausgewogenheit zwischen Beruf und Privatleben und ist für mich sehr relativ.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition ja, da ich meine beruflichen und privaten Ziele erreicht habe. Ob das auch von außen als Erfolg gesehen wird, müßten die Außenstehenden beurteilen.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bin in der Lage, Visionen zu entwickeln, die anderen einleuchten, Enthusiasmus auf andere zu übertragen, sie anzuzünden und zum Mitmachen zu bewegen. Sicher ist auch Fachwissen wichtig, die Halbwertszeit des Gelernten wird jedoch immer kürzer. Was ist für Erfolg hinderlich? Übertriebener Perfektionismus, Bürokratismus, zu viel Administration und fehlende Risikofreude.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Ja, immer schon; bedingt durch mein Elternhaus - mein Vater war in einer Leitungsfunktion und viel in Osteuropa tätig - gab es bei mir nie das Nine to five-Denken und ich lernte, daß Beruf und Privatleben nicht zu trennen sind. Schon ab meinem ersten Tag im Berufsleben wollte ich auch Mitarbeiterverantwortung übernehmen.Wann und wie erkannten Sie Ihre Fähigkeiten? Seine Fähigkeiten erkennt man schon früh, wenn man sich im Spiel mit anderen Kindern immer den Häuptlingsposten erkämpft.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Eine der wichtigsten Entscheidungen war es, schon sehr früh bereit zu sein, große Verantwortung zu übernehmen und mich nicht durch geltende (Alters-) Regeln beirren zu lassen. So wurde ich bereits mit 25 Geschäftsführer eines Multis und war für meine Positionen eigentlich immer zu jung, traute mir aber mehr zu als andere. Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein? Im Bereich der Produkte ist es legitim, etwas Bestehendes zu übernehmen, zu verbessern und mit einem neuen USP zu versehen, bei der Persönlichkeit ist aber ausschließlich Originalität gefragt.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Weniger Manager, sondern (Lebens-) Künstler, die in ihrer Selbstverwirklichung leben und mit ihrem Tun zufrieden sind.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Obwohl Lob selten ist, spüre ich Anerkennung.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich bin mit 43 Jahren als Vorstand eines Vier-Milliarden Unternehmens tätig, stehe im Ranking unter den 60 Topmanagern im Rampenlicht, habe ein Haus und ein Kind - mein Umfeld sieht mich sicher als erfolgreich. Dieser Erfolg ist aber nicht das Entscheidendste. Wenn ein Gelähmter einen Schritt gehen kann, ist das großer persönlicher Erfolg.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld bei Ihrem Erfolg? Wenn sich die Eltern frühzeitig um das Weiterkommen des Kindes bemühen und es fördern, ist das sehr hilfreich. Hier sind die Chancen nicht gerecht verteilt. Das berufliche Umfeld ist zu 50 Prozent ausschlaggebend, es muß Erfolg zulassen. Wenn das Umfeld nicht stimmt, sollte man es wechseln. Da Erfolg nicht auf Zufall basiert, muß man hier das Heft selbst in die Hand nehmen. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Für mich hat der Charakter oberste Priorität, ich möchte das Gefühl haben, daß ein Mitarbeiter das, was er sich vorstellt, auch umsetzen kann. Wichtig sind Verläßlichkeit, Enthusiasmus, Einsatzfreude und eine positive Lebenseinstellung. Da wir zu zwei Drittel in Osteuropa tätig sind, kann ich Ausbildung und Qualifikation nicht voraussetzen, da braucht es eher den festen Vorsatz und den Willen, etwas zu bewegen.Wie motivieren Sie Mitarbeiter? Als Manager hat man nur begrenzte Möglichkeiten zu motivieren. Entscheidend ist es, den richtigen Mitarbeiter an der richtigen Stelle einzusetzen und ihn für die Sache zu begeistern. Jemandem einzureden, daß er etwas gerne tut, könnte man bestenfalls Motipulation nennen, es ist nicht Motivation sondern Manipulation.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Fortbildung?
Zwanzig Prozent meiner Zeit, auch im täglichen beruflichen Alltag sind Weiterbildung, man lernt mit jeder Frage, Rechtsauskunft, Vertragserstellung, durch Internetsurfen und aus jedem Gespräch.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Als Vorstand eines Vier-Milliarden-Unternehmens wird die Luft schon dünn, es ist auch nicht mein Ziel, einen Acht-Milliarden-Konzern zu leiten: Karriere sehe ich nicht proportional zur Unternehmensgröße. Ich könnte mir vorstellen, nebenbei noch etwas anderes zu tun, z.B. eine Unternehmensberaterlaufbahn einzuschlagen, Unternehmen zu sanieren und schließe auch den Schritt in die Selbständigkeit nicht aus.Anmerkung zum Erfolg: Bei allem Erfolg muß man stets hinterfragen, wie weit man sich damit selbst verwirklicht. Spaß zu haben und das eigene Individuum ausleben zu können ist für mich essentiell. Als Mensch sollte man ein homogenes Leben führen, nicht zwei oder drei Parallelleben in der Firma, der Familie, im Freundeskreis und Vereinen.