Zum Erfolg von Lidia M. Kurek
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ich erachte es als Erfolg, mittels der eigenen Ausdauer meine mir gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei kommt es nicht auf den Umfang dieser Ziele an, es kann sich um große oder auch kleine Ziele handeln. Ich denke nicht, daß Erfolg etwas ist, was einem in den Schoß fällt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, im Sinne meiner Definition kann ich mich als erfolgreich bezeichnen. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Durchhaltevermögen und Weitsicht waren wichtige Faktoren meines Erfolges. Da Abwechslung für mich immer von Bedeutung war, beschäftige ich mich auch mit Malerei und Poesie - zwei Bereiche, die mit meiner beruflichen Tätigkeit nichts zu tun haben. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ja, ganz sicher, vor allem zu Beginn, als mir noch das Selbstvertrauen fehlte. Man sieht sich zunächst um und vergleicht sich mit anderen, um dann mit der Zeit zu erkennen, daß man genauso viel kann wie männliche Kollegen - was sich vielleicht nur anders zeigt. Als ich in diesem Metier begann, gab es noch sehr wenige Frauen, doch heute hat sich das geändert.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Obwohl ich das Wort erfolgreich nicht mag, weil es mit Konkurrenzdenken zu tun hat - etwas, was mir nicht liegt -, kann ich als Zeitpunkt das Jahr 1995 angeben, das für mich mit vielen positiven Erlebnissen verbunden ist. Ganz persönlich fühlte ich mich erfolgreich ab dem Zeitpunkt, da ich die Firma übernahm und damit die Verantwortung dafür zu tragen hatte. Entscheidung, Vorbereitung und Durchführung lagen ab diesem Moment bei mir, und das gab mir das Gefühl, erfolgreich zu sein. Das hat auch etwas mit dem Vertrauen in mich selbst zu tun. Ab diesem Moment war ich von niemandem mehr abhängig, und das empfand ich als Erfolg. Ich bin aber nicht so angepaßt, daß der Erfolgsbegriff alles andere überstrahlen würde.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Mit der Entscheidung, ein Buch herauszugeben, habe ich bewiesen, daß auch noch andere Talente in mir schlummern. Das hat vielleicht nichts mit dem Erfolgsbegriff im herkömmlichen Sinne zu tun, aber es war mir wichtig und stellte für mich einen persönlichen Erfolg dar. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Originalität ist der bessere Weg. Ich halte nichts vom Nachahmen - man wird dessen auch sehr schnell müde. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Natürlich hat mich mein Mann stark geprägt, denn ohne ihn wäre ich kaum in der Filmbranche gelandet. Allerdings erlernte ich den Beruf dann als Autodidaktin.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung drückt sich für mich in der Ernsthaftigkeit der Einschätzung meiner Person seitens meiner Kunden aus. Wenn uns Kunden über Jahre hinweg treu bleiben oder zuweilen um einen Rat anrufen, dann erachte ich dies als wertvolle Anerkennung. Andererseits ist es wesentlich, sich auch selbst Anerkennung zukommen zu lassen, denn selbst kann man ja am besten beurteilen, was man geleistet hat. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Es fehlt der Zusammenhalt in der Branche, jeder arbeitet für sich. Der Kuchen ist auch schon so klein geworden, daß es immer schwieriger wird, ein Stück davon abzubekommen. Auch gehen unsere Kunden vermehrt in die neuen EU-Länder, und da können wir preislich nicht mehr mithalten. Es ist anzunehmen, daß diese Entwicklung so weitergeht, die ganze Branche bekommt dies zu spüren. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Unsere Stärken liegen in unserer Vielseitigkeit, Flexibilität und der Kundenbetreuung rund um die Uhr. Als kleine Firma sind wir auch sehr gefordert, kreativ zu sein. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Gelassen und beobachtend. Ich schaue mir genau an, was produziert wird. Manchmal wundert man sich zwar darüber, daß die Qualität zu wünschen übrig läßt, aber ich bleibe einfach meiner Linie treu. Konkurrenz belebt auch den Markt.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Diese beiden Bereiche waren besonders ab dem Zeitpunkt, als unser Sohn zur Welt kam, schwer zu koordinieren. Mit der Zeit gelang es mir jedoch, mein gesamtes Leben durch strenges Zeitmanagement bewußt zu steuern. Heute studiert mein Sohn in England, und so ist es doch sehr viel leichter, auch für mich selber Zeit zu finden. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Das ist ein laufender Prozeß, doch insgesamt würde ich sagen, etwa 30 Prozent. In meiner Sparte bin ich darauf angewiesen, immer am neuesten Stand zu sein.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, den Standard der Firma weiterhin zu erhalten, neue Wege zu suchen, flexibel und offen zu bleiben. Wenn man sich entschlossen hat, einen Weg zu gehen, dann muß man ihm auch treu bleiben.
Ihr Lebensmotto?
Zuerst zu sich selbst finden, dann ergibt sich alles andere von selbst!