Zum Erfolg von Erich Loest
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Das Durchsetzen, Erscheinen und schließlich der Erfolg eines Buches und vor allem längerfristig anhaltendes Interesse daran erfahre ich als Erfolg. Darin können Aspekte, wie Verkauf, Kritik und Diskussionsfähigkeit eines Buches enthalten sein. Was mich sehr befriedigt, ist, wenn ein Buch nicht nach zwei Jahren aus dem Buchladen verschwindet, sondern auch nach 20 Jahren noch für Gesprächsstoff sorgt.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Wenn ich ein Buch schreibe, müssen mehrere Faktoren zusammentreffen und -passen. Da ist zunächst einmal die schriftstellerische Qualität, die es zu erreichen gilt. Ein Buch muß die Zeit treffen, darf also weder zu spät noch zu früh erscheinen. Es sind jedoch nicht nur berechenbare oder erarbeitbare Aspekte, die für einen Erfolg sorgen, sondern auch Faktoren, für die man keine Vorkehrungen treffen kann. So kann ein halbes Jahr vor Erscheinen einer längeren Arbeit ein anderer Schriftsteller das Thema zu dominant besetzen. So kommen wäg- und unwägbare Dinge zusammen, die über Erfolg oder Nichterfolg eines Buches entscheiden. Ich bin ein politischer Schriftsteller, interessierte mich immer für meine Zeit und möchte politisch genau sein. Ich lese wahrscheinlich zu zwei Drittel geschichtliche Literatur und habe Jahre damit zugebracht, in Bibliotheken Informationen zusammenzutragen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Wichtiger als die Un-Personen meiner damaligen Umgebung waren literarische Vorbilder, wie Hemingway, Drivonow oder Putin. Aber ich glaube, fern von dem Verdacht zu stehen, jemanden zu kopieren.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich habe eine Reihe von schriftstellerischen und politischen Auszeichnungen bekommen, die für das sorgten, was man unter Schriftstellern einen Namen haben nennt.Welche Rolle spielen Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg? Als Schriftsteller ist man nur sich selbst verantwortlich. Man hat eine Idee und geht dieser alleine nach. Man erzählt sie schon einmal einem Freund, aber die Arbeit macht man schon alleine. Ein Lektor hat natürlich einen geringfügigen Einfluß auf ein Buch, den er während der Arbeit oder zum Schluß beisteuert, doch letztendlich geht es auch ohne Fremdhilfe. Im Filmgeschäft ist natürlich einiges anders. Hier arbeitet man mit einem Co-Autor und einem Regisseur zusammen. Schwierig dabei ist, daß man einen in Romanform vorliegenden Text nicht einfach in ein Drehbuch, geschweige denn in einen fertigen Film verwandeln kann. Da muß man sich gemeinsam über den Text beugen und eine meist neue Geschichte extrahieren. Dabei wird es manchmal schwierig, einen Grundzug aufrechtzuerhalten oder zu verteidigen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Arbeit erledige ich großteils von zu Hause aus. Was notwendig ist, ist eine gewisse Konsequenz, mir am Vormittag eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, was von meiner Familie auch respektiert wird.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ein junger Mensch soll seinen Weg selbst gehen, sich darum kümmern und fragen, aus welcher Umgebung und Zeit er kommt. Er soll genießen, sich aber auch dessen bewußt sein, in welcher Zeit er lebt und welche Freiheit er jetzt besitzt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mit 76 Jahren kann ich nichts Umwerfendes mehr planen, wie ich glaube. Es wird noch eine Weile so dahingehen wie bisher. Es existiert auf jeden Fall genug Beschäftigung für die nächsten zwei, drei Jahre, und dann bin ich alt.