Zum Erfolg von Wilhelm Georg Hanss
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erstens: Die Menschen, für die ich etwas mache, müssen zufrieden sein. Zweitens: Ich muß selbst das Gefühl haben, eine gute Leistung erbracht zu haben. Treffen diese beiden Punkte zu, habe ich Erfolg.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Sehr entscheidend ist, daß ich beide Seiten der Arbeitswelt kenne - in einem kommunalen Unternehmen ist sowohl das Wissen über Politik als auch über das Unternehmen selbst wichtig.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Immer wenn ich gesehen habe, daß die Menschen zufrieden waren, war das der Punkt, an dem ich gesagt habe, jawohl, du hast etwas geschaffen, von dem keiner glaubte, daß es wirklich möglich ist. Ich war Leiter von zwei großen Schlichtungsverhandlungen im öffentlichen Dienst, bei denen es um Milliardenbeträge ging, und wir haben ein Ergebnis erzielt, von dem niemand glaubte, daß so etwas erreichbar wäre. Letztendlich waren alle Beteiligten zufrieden.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Selbstverständlich meine Eltern, besonders mein Vater, der ein klassischer Gewerkschafter und Sozialdemokrat ist. Ich komme aus einer Familie mit fünf Kindern, da wird man schon sehr geprägt, was das Gemeinschaftsleben anbelangt; man muß sich mit dem anderen einigen, damit man bestehen kann. Auch prägte mich der ehemalige Vorsitzende der ÖTV, Heinz Kluncker. Aber ansonsten war es immer die Gemeinschaft, durch die ich große Prägung erfuhr.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die schönste Form der Anerkennung besteht darin, gewählt zu werden. Ich hatte seit 1982 immer Wahlfunktionen inne, mußte mich also immer einer Wahl stellen. Wenn ich dabei gute Ergebnisse erzielte, zum Beispiel das zweitbeste Ergebnis nach Monika Wulf-Matties, oder bei der frühzeitigen Wahl zum Vorsitzenden dieses Unternehmens Einstimmigkeit im Aufsichtsrat erreichte, obwohl ich erst drei Jahre hier war, fühlte ich mich anerkannt.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
In einer Funktion wie meiner ist man eine einsame Person, was die Entscheidungen anbelangt. Ich habe ein junges Team um mich, mit dem ich Diskussionen führe. Außerdem bilden wir ein Dreigestirn - drei Geschäftsführer, die sehr gut zusammen arbeiten. Ich brauche meine Funktion nicht in den Vordergrund zu stellen, weil man mich und das was ich sage, ernst nimmt.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Natürlich ist es wesentlich, was ein Bewerber zuvor gemacht hat und worin seine Qualifikation besteht. Diese Kriterien allein sind aber noch nicht ausschlaggebend, ich horche bei der Einstellung von Mitarbeitern auf mein Gefühl. Was ich auf keinen Fall will, sind allzu geradlinige Leute - sie müssen in das bestehende Team passen und Kontrapunkte zu anderen darstellen, weil ich sonst meine Fehler nicht erkennen kann. In den seltensten Fällen wird dem Chef wirklich ganz offen gesagt, welche Fehler er macht. Also muß ich die Diskussion und Kontroverse im Team führen und so suche ich meine Mitarbeiter aus. Bisher bin auch nie enttäuscht worden.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich glaube, daß ich meine Mitarbeiter durch meine Vision motiviere. Auch die Freiheit, selbständige Entscheidungen zu treffen, ist sehr wichtig. Ich arbeite eher nach dem Gesichtspunkt: ich sage euch nicht, was ihr tun sollt, sondern ich rate euch, etwas zu tun.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich glaube nicht, daß ein Mensch in meiner Funktion das wirklich jemals erfährt. Aber ich denke schon, daß zumindest meine unmittelbaren Mitarbeiter für mich durchs Feuer gehen würden.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unser Unternehmen ist ein sehr traditionelles und bodenständiges. Jeder Mensch in Leipzig weiß, was die Leipziger Verkehrsbetriebe sind. Zweitens ist es ein Unternehmen, das nicht in Tradition erstarrt ist, sondern bereit ist, Veränderungen wahrzunehmen, obwohl das ausgesprochen schwierig ist, das will ich nicht verschweigen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Das ist relativ einfach. Zuerst kommt das Berufsleben und dann erst die privaten Schönheiten des Lebens. Eine davon ist natürlich meine Lebenspartnerin, in die ich sehr verliebt bin und für die ich alles tun würde. Die geringe private Zeit nutze ich, um mich zu regenerieren.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Für Fortbildung verwende ich ungewöhnlich viel Zeit, mindestens einmal im Jahr besuche ich einen einwöchigen Lehrgang, ein Seminar im Bereich Privatwirtschaft, bzw. Management.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich kann nur sagen, daß es tödlich ist, wenn man von vornherein plant, daß man Astronaut, Bundeskanzler oder sonst etwas werden will. Man sollte arbeiten und sich selbst ein gutes Gefühl verschaffen. Man sollte sich einfach beweisen, daß man gut ist und dann für die nächste Aufgaben zur Verfügung stehen. Ich habe mein Leben und meine Karriere nicht geplant und rate der jungen Generation, dies ebenfalls nicht zu tun.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte gerne die Leipziger Verkehrsbetriebe als Modellunternehmen von einem klassischen kommunalen Unternehmen zu einem gemischtwirtschaftlichen Konzern machen, in dem private und kommunale Interessen in Einklang gebracht werden. Mir gefällt es hier und wenn ich gehe, dann soll jeder sagen dieser Hanss hat die Leipziger Verkehrsbetriebe total verändert.