Zum Erfolg von Karl Kragolnik
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Egoistisch betrachtet bedeutet Erfolg, mein Leben so zu leben, wie ich es mir vorstelle und mit dem, was ich mache, glücklich zu sein. Erfolg kommt nur aus eigenem Antrieb; man muß ihn wollen. Wenn man etwas nicht machen will, kann man damit auch nicht erfolgreich sein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Beruflich bin ich sicher erfolgreich, ich habe es aber nicht geschafft, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen, daher habe ich eine gescheiterte Ehe hinter mir.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich habe keine ausgeprägten Talente, sondern einen ausgeprägten Hausverstand, kann umfassend denken, bin teamfähig und in der Lage, ein Team zu führen, die Richtung vorzugeben, Entscheidungen zu treffen und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen. Erfolgreich kann man nur sein, wenn auch das Team erfolgreich ist, wenn es einem also gelingt, dieses Team zu motivieren. Wenn man etwas will, und die Mitarbeiter verstehen auch weshalb, dann funktioniert es auch. Dazu muß man auch auf diejenigen, die man von seinen Ideen überzeugen will, hören und bereit sein, seine Meinung zu überdenken, da sie nicht zwangsläufig richtig sein muß. Ich kann auch sehr schnell analysieren, das Wesentliche erkennen und mich darauf konzentrieren.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Die Konstruktionsabteilung zu übernehmen, war eine Aufgabe mit großen Verbesserungspotential und ich war sehr stolz darauf, daß man an mich glaubte und mir diese Verantwortung übertrug. 1986 ging ich nur unter der Bedingung wieder zu Leica, daß ich die Leitung des Konstruktionsbüros übernehmen würde. Das war der einzige Karriereschritt, den ich konkret geplant hatte, alles andere ergab sich von selbst. Erfolg muß man zwar wollen, man kann ihn aber nicht fordern, sondern muß zeigen, was man kann - dann ergibt sich die Karriere von selbst.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als Konstruktionsleiter habe ich stets großen Wert auf die enge Zusammenarbeit mit der Fertigung gelegt. Das ist nicht selbstverständlich. Als man mir anbot, zwei Mikroskope für die Fertigung in Deutschland zu entwickeln, zögerte ich erst, da ich nicht sicher war, ob das auch mit dem deutschen Werk klappen würde, nahm aber die Herausforderung doch an. Letztlich konnte ich diese Aufgabe hervorragend bewältigen und das brachte mir im Konzern sehr gute Referenzen ein. Angestrebt habe ich diesen Beruf nicht, mein Vater schlug mir die Richtung vor. Mit 14 hatte ich noch keine Ahnung von diesem Beruf und ich wollte auch nicht in ein Konstruktionsbüro gehen. Mangels anderer Angebote landete ich dann doch in der Konstruktion und das machte mir in der Praxis auch wirklich Spaß.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Gutes zu imitieren ist keine Schande, Originalität ist aber doch wichtiger, da die Wirtschaft davon lebt. Wer imitiert, ist automatisch Zweiter.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ich hatte immer hervorragende Vorgesetzte, von denen ich lernen konnte. In Hierarchien ist es wichtig, einen Mentor zu haben.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich bekomme sowohl verbale, als auch finanzielle Anerkennung. Anerkennung ist wichtig und kann motivierend wirken, wenn sie unmittelbar auf eine erfolgreiche Tat folgt. Auch Kritik sollte sofort erfolgen; ist sie konstruktiv, sehe ich darin auch Anerkennung.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Als Manager gibt man die Richtung vor, die von den Mitarbeitern umgesetzt werden soll. Mein Erfolg ist davon abhängig, wie gut sie den Weg umsetzen. Mein Erfolg ist der Gesamterfolg meines Teams.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich entscheide nach Kompetenz, Know-how und wie gut sie ins Team passen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Entscheidend ist es, Verständnis bei den Leuten zu wecken und sie dazu zu bringen, daß sie etwas auch selbst tun wollen. Das erreicht man durch offene Gespräche und indem man sie mit einbezieht. Diktierte Aufgaben macht man nur halbherzig.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Stärke ist die Flexibilität sowohl im wirtschaftlichen Bereich, als auch beim Eingehen auf Kundenwünsche. Wir können Standardgeräte nach Kundenwünschen modifizieren und Geräte nach ihren Wünschen entwickeln. Aus diesen Gründen brauchen wir auch flexible Mitarbeiter, die universell eingesetzt werden können. Letztlich sind sie unser wichtigstes Potential.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
In diesem Punkt habe ich gelernt. Ich versuche meinen Arbeitstag so zu gestalten wie den eines jeden anderen Angestellten. So widme ich mich in meiner Arbeitszeit 100-prozentig der Firma, achte aber sehr genau darauf, daß mein Privatleben nicht zu kurz kommt. Das ist eine Frage der Prioritäten.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Jährlich wende ich circa ein bis zwei Wochen für fachspezifische Weiterbildung für den momentanen Job oder kommende Aufgaben auf.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man sollte eines seiner Hobbys zum Beruf machen und keinesfalls einen Beruf nur wegen des Verdienstes wählen. Wenn man nur wegen des Geldes arbeitet, glaube ich nicht, daß man erfolgreich werden kann.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe keine persönlichen Ziele, sondern nur Ziele im Bereich des Unternehmens. Meine Aufgaben erledige ich mit 100-prozentigem Einsatz, ohne eine andere Position anzustreben. Ich plane lediglich nicht, in eine Situation zu geraten, die ich mir selbst nicht zutraue.