Zum Erfolg von Roland Gusenbauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Wenn man im Leben erfolgreich ist, ist die enge Umgebung stolz auf dich. Erfolg bedeutet für mich genau das. Wenn meine Kinder stolz auf ihren Vater sind, fühle ich mich glücklich. Im Leistungssport bedeutet Erfolg nicht nur, Geld zu verdienen, sondern es liegen für mich, wie für viele Sportler, auch sexuelle Motiven zugrunde: ein erfolgreicher Sportler ist begehrenswerter, zumindest körperlich. Ich denke, daß Erfolg für mich auch mit dem berühmten Ziel zu tun hat, einen Baum zu pflanzen, einen Sohn zu zeugen und ein Haus zu bauen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich hatte schon immer meine eigene Vorstellung von Erfolg und wurde in meiner frühen Jugend von meinem Turnlehrer motiviert, maximale Leistungen zu erbringen. Ich wollte zu einem durchtrainierten Körper kommen und ein Höchstmaß von Bewegungsfähigkeiten erlernen. Die Anerkennung der Familie, der Freunde und Kollegen, natürlich auch der Medien, war für mich immer wieder Ansporn.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Unvorhergesehenen Situationen und Problemen begegnete ich früher verärgert, heute hingegen relativ reif und gelassen. Weil ich vieles überstanden habe. Nichts im Leben verläuft kontinuierlich. Ganz im Gegenteil besteht das Leben aus Zäsuren. Wie Winston Churchill schon sagte: Erfolg bedeutet, einmal mehr aufzustehen als hinzufallen. Ich habe dieses Motto durch alle Lebensbereiche beherzigt. Es gab für mich immer wieder eine Möglichkeit, selbst die schlimmste und auswegloseste Situation erfolgreich zu bewältigen. Ich bin ein grenzenloser Optimist und heute ausgesprochen ruhig, wenn ich vor einem Problem stehe. Der Sport selbst ist nicht ungefährlich, da der Erfolg in diesem Bereich ungleich schneller erreicht wird, als im „wirklichen“ Leben: Wer seinen Werdegang im Sport auf den Alltag übertragen möchte, scheitert höchstwahrscheinlich. In fünf bis acht Jahren an die Weltspitze zu gelangen ist im Sport möglich, nicht aber im Wirtschaftsleben – abgesehen von einigen Glückskindern. Ich warne daher meine Leistungssportler eindringlich vor kurzfristigen Erfolgshoffnungen, die auf schnellem Erfolg im Sport basieren. Der Erfolg im Privatleben und im normalen Berufsleben setzt langsamer ein. Ich habe viele Sportler erlebt, die einfach deshalb Schiffbruch erlitten, weil sie zu ungeduldig waren. Die Unruhe des Sportlers ist sein Markenzeichen aber auch eine Hypothek.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich halte es mit Kreisky und seinem: „ich kann nicht genug Applaus bekommen“. Mein Erfolg ist von meinen „Zujublern“ abhängig, obwohl ich mich selbst nicht als überdimensional eitel bezeichnen würde. Wir Sportler brauchen Zuneigung, dürfen dabei aber nicht vergessen, auch unserer Umgebung Anerkennung und Lob aussprechen. Und zwar in allen Lebensbereichen. Ich schätze jene, die mir Gutes tun. Daher lobe ich sie, wann immer sich eine ehrliche Gelegenheit dazu bietet.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Man kann im Laufe der Zeit viele Fehler im Umgang mit seinen Mitarbeitern machen. Dazu gehört bekanntlich geringe Information und Motivation. All diese Fehler habe ich auch begangen. Eines bleibt: ich bin meiner Persönlichkeit immer treu geblieben, habe meine Stärken forciert und Schwächen auf ein erträgliches Maß reduziert. Ich bin mit meinen Mitarbeitern immer freundlich und zuvorkommend umgegangen. Heute halte ich es mit den beiden „L“s – Loben und Lassen! Unter dem permanenten Druck des niedrigen Personalstandes war ich aber mit Sicherheit niemals ein idealer Chef.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Wichtig war mir immer, daß alle Kolleginnen und Kollegen meinen menschlichen Maßstäben entsprechen, also freundlich und offen sind. In der komplexen Sportart Leichtathletik ist für mich fachliches Wissen von höchster Bedeutung. Wer dieses nicht hat, braucht ungleich mehr Zeit, es sich anzueignen als beispielsweise zu lernen, wie man mit einer Excel-Datei umzugehen hat.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich habe nie darüber nachgedacht, sondern immer sehr emotionell gehandelt. Ich habe nicht alles auf Versuch und Irrtum aufgebaut, sondern auf den reichhaltigen Erfahrungsschatz anderer zurückgegriffen. Als Sportler brauchte ich Trainer, mußte aber auch meiner inneren Stimme vertrauen – all das habe ich auf mein Leben umgelegt. Leitmotiv war für mich immer das Bemühen, daß meine engste Umgebung auf mich stolz ist.