Zum Erfolg von Olaf Auer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich wenn ich meine Ideen und Wünsche umsetze, wobei natürlich auch noch einiges übrigbleibt, das ich nicht realisieren kann. Glücklich bin ich dann, wenn zumindest 80 bis 85 Prozent meiner Ideen verstanden und durchgeführt werden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe mich durchaus als erfolgreich. Alleine der Cobenzel ist und bleibt immer wieder eine Herausforderung im Wandel der Zeit. Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren: der Gast ist mobiler geworden, wir werden vermehrt von einem jungen Publikum besucht. Alle Herausforderungen konnte ich erfolgreich zugunsten meiner Gäste und zu meiner Zufriedenheit meistern.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Die gute Wiener Küche ist und bleibt bei uns authentisch, alles, was wir anbieten, wird selbst erzeugt, weil für die Qualitätssicherung diese Maßnahme selbstverständlich sein muß. Dadurch entsteht wiederum die Zufriedenheit unserer Gäste und somit eine angenehme Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und gerne wiederkommen. Weiters denke ich, daß, wer glaubt, einfach ein Restaurant kaufen zu können, um dieses dann von einem Büro aus zu leiten, unter Garantie scheitern wird. Man muß mit Herz und Seele am Ort des Geschehens sein. Während dieser Zeit der Praxis lernt man mehr als an jeder Fachschule.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Hier oben am Cobenzel ist eigentlich der gesamte Gastronomiebereich wetterabhängig, daher ist eine gute und präzise Jahresplanung von Festen, Seminaren und verschiedenster Veranstaltungen unerläßlich.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Eine wesentliche Entscheidung bestand darin, in Österreich zu bleiben, obwohl ich die Möglichkeit hatte, in Deutschland bei meinen Eltern als Hoteldirektor ein angenehmes Leben zu genießen. Mein Herz gehörte immer diesem Land, und ich bin mir selbst treu geblieben.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Originalität ist meiner Meinung nach unbedingt notwendig, um erfolgreich zu sein. Mit offenen Augen durch das Leben gehen und Überlegungen anstellen, was man mit Dingen machen kann, die andere nicht mehr benötigen, lautet die Devise.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Obwohl er ein eher bodenständiger, leicht pessimistischer Mensch war und ich eher der Optimist, der von einem bestiegenen Berggipfel zum nächsten eilte, so war es mein Vater Josef, der mir gezeigt hat, wie man aus dem Nichts etwas schaffen kann: nach vier Jahren Kriegsgefangenschaft baute er vier Häuser. Zum anderen prägte mich auch meine Großmutter, die ausgezeichnete Kochkenntnisse besaß und damals aufgrund ihres Durchsetzungsvermögens alleine einen Riesenbetrieb leiten konnte.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich pflege zu sagen, die größte Ehrung, die man erfahren kann, ist der zufriedene Gast. Wir verkaufen Atmosphäre und nur dann, wenn der Gast zufrieden ist, kann Atmosphäre entstehen. Kaum jemand kommt zu uns, weil er Hunger hat; unsere Gäste kommen wegen dem Appetit, und da ist die Atmosphäre unerläßlich.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Meine Mitarbeiter spielen eine sehr große Rolle, denn nur durch sie kann ich meine Gedanken, meine Vorstellungen, das Know-how und meine Linie weitergeben. Meine Mitarbeiter müssen diese Linie übernehmen, um eine Einheit bilden zu können. Das ist Gastronomie.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ein guter Mitarbeiter muß auf den Gast eingehen können – der Gast hat immer recht, auch wenn er nicht recht hat - und ein weiterer wichtiger Faktor ist das Thema Vertrauen und Ehrlichkeit.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir haben immer wieder interne Besprechungen, in denen unter anderem die Tatsache, daß das Verkaufen kein Verteilen ist, ein Thema darstellt.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Stärke ist das Bemühen um die individuelle Betreuung des Gastes, der sich bei uns wohlfühlen soll. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Neben der optimalen Gästebetreuung ist es auch notwendig, Marktnischen zu erkennen, und, wenn möglich, Ideen auch umzusetzen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man sollte sich nicht zu gut sein, bestimmte Aufgaben oder Arbeiten selbst zu erledigen, um somit alles von klein auf zu erlernen und dadurch ein besseres Urteilsvermögen zu erlangen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Demnächst möchte ich ein Cobenzel-Kochbuch veröffentlichen, in das ich auch meine Gäste mit ihren Lieblingsrezepten einbeziehen werde. Ansonsten versuche ich die Qualität zu halten und womöglich noch besser zu werden.