Zum Erfolg von Veronika Fialka-Moser
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich persönlich war die Geburt meines ersten Sohnes der Inbegriff persönlichen Erfolges, weil ich in diesem Moment das Gefühl hatte, die Welt erobert zu haben. Erfolg im Beruf liegt für mich beispielsweise darin, den Lehrstuhl bekommen zu haben, weil es beileibe nicht einfach war, erstens objektiv gesehen gut zu sein und zweitens eine Lobby zu haben. Ich kämpfte gegen Widerstände, die allerdings nicht persönlich waren, sondern darin lagen, daß man plante, die Klinik aufzulösen und war supplierende Leiterin, was meine Bewerbung noch zusätzlich erschwerte. Man versuchte mich mit allen Mitteln hinauszudrängen, und es war für mich ein Riesenerfolg bzw. eine große Freude, als ich Vorstand dieser Klinik wurde.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ausschlaggebend für meinen Erfolg waren Zähigkeit und Ausdauer, Kompromißfähigkeit und Disziplin. Bevor ich mit dem Studium der Medizin begann, wollte ich eigentlich praktische Ärztin auf dem Land werden; den Wunsch, Ärztin zu werden, hatte ich schon seit meiner Kindheit. Als ich mit dem Turnus begann, fühlte ich mich aber nicht richtig gefordert bzw. fundiert ausgebildet. Mich störte die Tatsache, daß ich mich nicht intensiv mit bestimmten Problemen auseinandersetzen konnte, und so wurde mir bewußt, daß für mich nur eine Fachausbildung in Frage käme. Da ich während meines Studiums aber schon mit dem Kurs für manuelle Medizin bei Prof. Tilscher begonnen hatte, der mich sehr faszinierte, weil man sich in diesem Bereich intensiv mit Patienten beschäftigt, nahm ich, obwohl ich geplant hatte, drei Jahre in Karenz zu bleiben, eine entsprechende Stelle im AKH an, die frei wurde, als mein Jüngster eineinhalb Jahre alt war. Mein Erfolg war in dieser Form überhaupt nicht geplant. Ich habe vielmehr immer meine Chancen genützt, und empfinde, was ungemein wichtig ist, große Freude an meiner Tätigkeit. Spaß an meiner Arbeit zu haben, war für mich der wesentlichste Motivationsfaktor, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Für mich ist hohe Flexibilität absolut unverzichtbar, da ich drei Kinder großgezogen habe. Ich kann mich sehr rasch an neue Situationen anpassen und schnell Entscheidungen treffen, ohne mich in Zweifel zu verstricken. Dafür ist aber auch die Fähigkeit vonnöten, zu meinen Entscheidungen zu stehen und sie konsequent zu verwirklichen. Grundsätzlich gibt es aber auch Entschlüsse, die im Team gefunden und getroffen werden.Ist es für Sie als Frau schwieriger, erfolgreich zu sein? Die Vorteile, die man als Frau in einem anspruchsvollen Beruf hat, liegen darin, daß man lernt, perfektes Zeitmanagement zu betreiben und seine verbleibende Freizeit wirklich intensiv zu nutzen, aber auch darin, daß man paradoxerweise gerade aufgrund der Doppelbelastung keinen der beiden Bereiche so extrem ernst nimmt, daß man vor dem Zusammenbruch steht, wenn etwas einmal nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Die Nachteile bestehen darin, daß man überhaupt keine Zeit für sich selbst hat, solange die Kinder noch klein sind. Man kommt, was wiederum vielleicht ein kleiner Vorteil sein kann, nicht dazu, über die eigene Situation nachzudenken, aber auch nicht dazu, seine eigenen Interessen wahrzunehmen, das gesellschaftliche Leben bleibt völlig auf der Strecke.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als ich vor der Entscheidung stand, das AKH zu verlassen und eine eigene Praxis zu gründen, traf ich einen sehr erfolgreichen Entschluß, indem ich mich dagegen entschied, weil mir bewußt wurde, daß ich in einer freien Praxis eigentlich sehr unfrei wäre.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Der Wille zur Veränderung bestehender Strukturen spielte für mich eine große Rolle, als ich Vorstand dieser Klinik wurde.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Klassische Vorbilder gab es für mich nicht. Ich hatte einen sehr alten Vorgesetzten und konnte, nachdem ich seine Nachfolge angetreten hatte, sehr viel ändern.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die Mitarbeiter spielen eine wesentliche Rolle beim Erfolg, daher lege ich großen Wert auf Teamfähigkeit. Ich allein kann keinen Erfolg haben, und mein Team ist am Erfolg, der sich für mich durch die Zufriedenheit des Patienten ausdrückt, ebenso verantwortlich wie ich selbst. Persönliche Stärken der Mitarbeiter nutzen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Ich konzentriere mich in meiner Privatordination vor allem auf den Bewegungsapparat ((Wirbelsäule, Knie, Arme, eventuell auch durch Sport bedingte Überlastungssyndrome, etc.), Kiefergelenksstörungen und Rehabilitation von Krebspatienten. Meine oberste Maxime ist dabei die Verbesserung der Lebensqualität bei unterschiedlichen chronischen Erkrankungen, Förderung der Selbständigkeit und Aktivität meiner Patienten.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Kinder waren mir immer am wichtigsten. Im Vordergrund meines Handelns stand immer der Anspruch, genug Zeit für sie zu haben; der Rest hat sich eigentlich von selbst ergeben. Zeitmanagement und enorm viel Disziplin waren und sind notwendig, diesen Anspruch in die Realität umzusetzen, und ohne die Unterstützung meiner Eltern und Schwiegereltern wäre es mir nicht möglich gewesen, Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Wesentlich ist auch meine Fähigkeit, sehr konzentriert und intensiv zu arbeiten, um mich in meiner Freizeit auf meine Kinder konzentrieren zu können.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Einem jungen Menschen rate ich, den Mut aufzubringen, jenen Beruf zu ergreifen, der ihm Freude macht, weil er nur in diesem Bereich erfolgreich werden kann.