Zum Erfolg von Hermann Kröll
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Persönlicher Erfolg bedeutet für mich, nach getaner Arbeit Freude zu empfinden. Wenn mir etwas gelingt, worauf ich stolz sein kann, bin ich erfolgreich.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, denn ich habe bisher viel erreicht.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend für meinen Erfolg war meine Begeisterung. Als ich vor nunmehr 29 Jahren zum Bürgermeister gewählt wurde, konnte ich nächtelang nicht schlafen, weil ich so viele Ideen hatte, wie man Schladming erfolgreich machen kann. Dabei war es mir sehr wichtig, einmal darüber nachzudenken, wer unsere Kleinstadt eigentlich ausmacht: und das sind die Menschen, die hier leben. Schladming ist ein ganz eigener Platz zwischen Dachstein und Tauern, mit zwei großen Kirchen, christlich geprägt durch seine Geschichte - der Schladminger Bauernkrieg und die Glaubenskriege spielten eine sehr große Rolle in der Entwicklung von Schladming. Der Schladminger hat eine ganz eigene Beziehung zu seiner Stadt, für die es sich lohnt, sich einzusetzen, und diese Erkenntnis hatte ich immer im Hinterkopf. Der Tourismus hat sich in unserer Region langsam und organisch entwickelt; zunächst waren es vor allem die Sommertouristen, die hierher kamen, viel später erst entwickelte sich der Wintertourismus, der Schladming zu einem der bekanntesten Tourismusorte machte. Ein Geheimnis des Erfolges liegt darin, die Identität zu wahren. Schladming hat drei große Wandel erlebt: vom Bergbau über die Holzindustrie mit mehr als 1.000 Beschäftigten bis hin zum Tourismus. Immer waren es die Berge, von denen die Bevölkerung lebte. Ausschlaggebend für meinen Erfolg war ein einschneidendes Erlebnis in meiner Jugend: als sehr guter Schüler, der die Jüngeren unterrichtete, hatte ich den Traum, eine technische Lehre zu absolvieren, wurde jedoch abgewiesen, obwohl ich bei der Aufnahmeprüfung hervorragend abgeschnitten hatte. Zutiefst enttäuscht fand ich am Markt von Rottenmann einen Spruch von Peter Rosegger, von dem ich wußte, daß er mich zeit meines Lebens begleiten würde: Tüchtiges Schaffen hält auf Dauer kein Gegner aus. Diese Aussage machte mir Mut. Ich bin ein Mensch, der alles sehr ernst nimmt und sich sehr anstrengt, und wenn ich davon überzeugt bin, daß das, was ich tue, richtig ist, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich versuche immer zu unterscheiden, ob ein unvorhergesehenes Ereignis mich ernsthaft daran hindert, mein Ziel zu erreichen, oder nur einen Stolperstein darstellt, den ich relativ leicht überwinden kann. Wenn sich das Ziel lohnt und ein Ereignis eintritt, mit dem ich nicht gerechnet hätte, bleibe ich ruhig und gelassen, weil ich weiß, daß ich das Hindernis mit genügend Zeit aus dem Weg schaffen kann. Zeit heilt und Wunden und sie bringt Früchte zum Reifen. Wenn etwas länger dauert, ist das Ergebnis meist solide und wirklich gut.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß mein Erfolg von meinem gesamten Team abhängig ist. Mein Team hat das Recht darauf, in mir ein Vorbild zu sehen und von mir motiviert zu werden. Ein bißchen öfter Wir statt Ich nützt der Sache, kleine Gesten sind dabei sehr wichtig. Ich kümmere mich um meine Mitarbeiter und nehme mir Zeit für sie - um sie zu fragen, wie es ihnen geht, um ihnen zum Geburtstag zu gratulieren und so weiter. Meine Mitarbeiter wissen, daß ich das nicht aus Berechnung tue, sondern weil es für mich selbstverständlich ist, und das schweißt uns zusammen.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Der Gast erwartet und bekommt Komfort, das ist die Grundlage des erfolgreichen Tourismus. Darüber hinaus wird er in Schladming persönlich und freundlich behandelt, er wird ernst genommen und ist als Mensch, nicht als Wirtschaftsfaktor willkommen. Unsere Gäste sollen Schladming für die Dauer ihres Aufenthaltes als zweite Heimat empfinden, das ist weitaus wichtiger als eine perfekte Infrastruktur, die ohnehin selbstverständlich ist.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Gerade in der Kommunalpolitik steht man permanent in der Öffentlichkeit, und daher ist es für mich von größter Bedeutung, eine Familie zu haben, die diese Belastung mitträgt. Wenn ich mich aus meinem Amt zurückziehe, möchte ich mit meiner Frau nachholen, wofür wir bis jetzt zuwenig Zeit hatten.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Der Mensch braucht ein großes Ziel, das er in kleinen Schritten verfolgen muß. Weder Utopien noch zu kleine Ziele führen zum Erfolg; man braucht eine Vision und kurz- bis mittelfristige Ziele, ohne je das ursprüngliche Vorhaben je aus den Augen zu lassen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein größtes Ziel als Bürgermeister war immer die Nachhaltigkeit, und dabei war es sehr wichtig, Begleiter zu gewinnen, die mich am Weg dorthin unterstützten.
Ihr Lebensmotto?
Tüchtiges Schaffen hält auf die Dauer kein Gegner aus. (Peter Rossegger)