Zum Erfolg von Josef-Ernst Köpplinger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich persönlich die Hingabe zur Arbeit, das Glücksgefühl während des Tuns und die spürbare Akzeptanz nach getaner Arbeit. Natürlich liegt Erfolg auch auf der finanziellen Basis, die mir den gewünschten Lebensstil erlaubt, aber die emotionale Ebene steht an immer vorderster Stelle.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich sehe mich als erfolgreich und das weitgehendst trotz fehlender Lobby.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ausschlaggebend war, meine Desorientierung - bedingt durch meine vielen Begabungen einerseits und das Schätzen und Einbeziehen einer bürgerlichen Sicht anderseits - in den Griff zu bekommen. Auch mein Verantwortungsbewußtsein war wesentlich, ich habe mich niemals einer Top-Karriere-Egomanie hingegeben, sondern bin mir selbst treu geblieben. Man bezeichnet mich oft als Erotomanen, weil ich Sinnlichkeit ausspiele, das ist aber für mich selbstverständlich, denn ich glaube, daß sie ein sehr wichtiger Teil des Lebens ist.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich begegne dem Alltag durch die Vereinigung von Organisation, Kreativität und Phantasie. Dazu gehört inzwischen auch die Überlegung, welche Inszenierungen ich in zwei bis drei Jahren machen möchte.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich habe eigentlich erst als man mir zum erstenmal eine Intendanz anbot, erkannt, daß ich erfolgreich sein muß.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Mir war von Anfang an klar, daß ich Geschichten erzählen will, also war die elementarste Entscheidung jene, Regisseur zu werden.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich glaube, um erfolgreich zu sein, muß eine Balance zwischen dem Organisieren, dem subjektiven Stil und dem objektiven Handwerk geschaffen werden. Erfolg ist, zumindest am Theater, nicht unbedingt etwas ganz Neues erfinden zu wollen, weil alles sowieso schon einmal da war.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Zuerst möchte ich meine Mutter erwähnen, die mich unterstützte, und natürlich meine Großtante, die mich auf diesen meinen Weg brachte. Dann gab es eine Dame, der ich sehr viel zu verdanken habe, Marie-Therèse List. Sie lehrte mich in Regensburg das Handwerk von der Pike auf und schuf mir danach sogar eine existentielle Basis für meine Weiterentwicklung. Prägende Persönlichkeiten in meinem Leben waren Max Reinhardt, Stephen Sondheim, den ich für den bedeutendsten Musiktheaterkomponisten des verbindenden Genres halte sowie Frau Susi Nicoletti und alle Künstler, mit denen ich arbeitete.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Meine Anerkennung ist der Zuspruch des Publikums.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Problematisch ist die Feigheit der Theatermacher gegenüber Innovativem ebenso wie teilweise Fehlbesetzungen, die ein Branchenproblem darstellen.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Mein Umfeld betrachtet mich als menschlich, freundlich kompetent und positiv. Eigentlich bin ich aber ein Einzelgänger, und ich hatte bis dato auch das Glück, daß noch keine meiner Inszenierungen gefloppt ist.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Wir erzählen alle gemeinsam Geschichten und setzen Akzente, die Schauspieler, Beleuchter, Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner genauso wie ich; wenn uns das gelingt, haben wir Erfolg, und den feiern wir auch gemeinsam.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Über mein Privatleben spreche ich nie, aber ich kann die beiden Bereiche wunderbar vereinbaren. Meine Privatsphäre und meine Freunde sind mir sehr wichtig.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Einen Rat frei nach Max Reinhardt: Bei der Ausbildung sollen in gleichem Maße Spiel, Tanz, Körper, Gesang und Bewegung trainiert werden. Zeitlosigkeit und Selbstverständlichkeit mit dem Umgang der theatralischen Möglichkeiten ist das beste Rezept, um sich in der Theaterwelt zu präsentieren.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ziele sind die Erfüllung bereits feststehender Verträge mit, der Staatsoper Tokio, der Wiener Volksoper und dem Theater in der Josefstadt. Im Theater St. Gallen möchte ich als Intendant Akzente setzen, um ein Bewußtsein dafür zu schaffen, daß Theater eine sehr sinnliche, eine sehr offene Institution zu sein hat. Langfristig habe ich mir zum Ziel gesetzt, entweder ein renommiertes Wiener Haus oder irgendwo anders ein Dreispartenhaus zu übernehmen.
Ihr Lebensmotto?
Der Schauspieler ist manchmal einsam, der Regisseur ist ziemlich oft einsam, aber der Intendant ist die Einsamkeit in Person.