Zum Erfolg von Clemens Ranseder
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, tun und lassen zu können, was ich will. Das gelingt mir natürlich nicht immer, unter anderem, weil es in unserer Branche große saisonale Schwankungen gibt, aber grundsätzlich verbinde ich mit Erfolg eine gewisse Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Früher war unser Betrieb sehr stark auf Hydrokulturen spezialisiert, wobei ich persönlich mich mit dieser Sparte nicht wirklich anfreunden konnte. Daher begannen wir uns verstärkt auf Beet- und Balkonpflanzen zu konzentrieren. Das ist ein Bereich, in dem auch ich persönlich aufblühe, was letztendlich auch zum Erfolg führte. Ausschlaggebend für den Erfolg ist, zu wissen, was man will und sich mit seiner Tätigkeit zu identifizieren.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich entscheide grundsätzlich, ob ich die Herausforderung annehme oder nicht. Wenn ich sie annehme, ist es auch nicht mehr schwierig, weil sich die Herausforderung mit den persönlichen Zielen deckt. Das war nicht immer so. Ich war etwa für eine bestimmte Zeit Innungsmeister, wobei ich mir vorher nicht genau überlegt hatte, wie schwierig es ist, für andere Entscheidungen zu treffen.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe mich jetzt noch nicht als außergewöhnlich erfolgreich, weil ich längst noch nicht dort bin, wo ich hin will. Aber ich kann sagen, daß ich zumindest verstanden habe, wie es funktionieren kann, dort hin zu kommen, wo ich hin will.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Eine grundsätzliche und erfolgreiche Entscheidung war, daß wir unser Kerngeschäft von den Hydrokulturen vorwiegend für den öffentlichen Bereich auf Beet- und Balkonpflanzen für den Endverbraucher verlagert haben.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Mit Sicherheit Originalität. Alles, was Imitation ist, wird über den Preis verkauft, und über kurz oder lang zieht man als Nachahmer den kürzeren.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Der Leiter der Floristenschule in Schiltern, Franz Josef Wein, hat mich sowohl fachlich geprägt, weil er mir das breite Spektrum der Floristik aufgezeigt hat, er prägte mich aber auch charakterlich. Es klingt zwar banal, aber von ihm habe ich gelernt, daß man, wenn man etwas will, hart dafür arbeiten muß. Man kann auch sagen, daß er das Feuer der Begeisterung für Pflanzen in mir geschürt hat.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Am meisten freut mich Anerkennung unter den Kollegen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Mir fehlt die klare Positionierung der Gärtnereien am Markt. Wir sind alle Einzelkämpfer, die sich von den Angeboten der Baumärkte oder Bella Flora-Märkten für den Konsumenten nicht klar genug differenzieren. Da geht viel Potential verloren, wir müssen an unserem Image weiter arbeiten.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die wesentlichste, weil ich selbst ja nur die Vorgaben machen kann. Ohne gute Mitarbeiter gäbe es keinen Erfolg.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich muß das Gefühl haben, daß die Freude und Begeisterung für Pflanzen vorhanden ist.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Durch Reden, das ist das Wichtigste.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Stärke ist Kreativität im Umgang mit der Pflanze, das gestalterische Element also. Dafür sind wir bekannt, und das schätzen unsere Kunden. Natürlich gehen wir in unserer Beratung auch auf die Pflege der Pflanzen ein, was ganz wesentlich ist.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Andere Gärtner sehe ich nicht als Konkurrenz, sondern als Kollegen, mit denen ich mir durchaus auch eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Sich in einen Konkurrenzkampf mit den Bau- und Bella Flora-Märkten zu begeben, ist aussichtslos. Ich habe mir das abgewöhnt und konzentriere mich lieber auf unsere Qualitäten und vor allem auf unsere Zielgruppe, die sich eben etwas mehr erwartet.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Man arrangiert sich. Allerdings gebe ich zu, daß man sich als Unternehmer oft zwingen muß, das Privatleben nicht zu vernachlässigen.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Je nach Definition mehr oder weniger. Ich lese natürlich Fachzeitschriften und besuche Fachmessen, aber das gehört wohl zum Beruf. Ich habe mir schon vor Jahren vorgenommen, darüber hinaus zwei Seminare im Jahr zu besuchen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Das Wichtigste ist, herauszufinden, was man eigentlich will, in sich hinein zu horchen, festzustellen, wo liegen meine Ziele. Dann geht alles von selbst. Niemand kann sich verbiegen und jemand anderer sein, als er in Wirklichkeit ist.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Im Alter von 45 möchte ich den Betrieb so gut durchstrukturiert haben, daß er auch ohne mich läuft und ich ihn theoretisch übergeben oder gut verkaufen könnte. Grundsätzlich möchte ich mir mehr Zeit für die Familie nehmen, und mir schwebt mittelfristig auch eine Kooperation mit gleichgesinnten Gärtnerkollegen vor.
Ihr Lebensmotto?
Vertraue deinem Gefühl und bleibe deinen Zielen treu.