Zum Erfolg von Adolf Assam
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Wenn Familie und Berufsleben im Einklang sind, wenn privat und geschäftlich alles ohne gröbere Probleme funktioniert, kann man dies durchaus als Erfolg werten. Natürlich gibt es immer wieder kleinere Schwierigkeiten, aber wenn ich morgens ohne Kopfschmerzen und Zukunftssorgen aufwache, bin ich zufrieden. Ich messe Erfolg nicht in Zahlen, es ist viel mehr ein individuelles Gefühl der Lebensfreude, das ich auf mein Umfeld ausstrahle und das auch wieder zurückkommt. Es muß eben alles perfekt zusammenpassen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin ein positiv denkender Mensch und empfinde mich als erfolgreich. Ein väterlicher Freund sagte einmal zu mir: Wenn die Leute auf deinen Erfolg neidisch sind, bist du auf dem richtigen Weg. Du mußt nur aufpassen, wenn sie mitleidig werden.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ehe ich den Pachtvertrag für das Gösserbräu unterschrieb, verpflichtete ich eine Unternehmensberatung, sprach mit den Beratern meine Ideen durch und holte mir professionellen Rat. Das war sicherlich sehr hilfreich, und dazu sollte man sich niemals zu stolz sein, wenn man sich selbständig machen möchte. Ich habe mich auch immer wieder bei Seminaren weitergebildet und versucht, mich weiterzuentwickeln. Wir waren zum Beispiel vor 16 Jahren eines der ersten Gasthäuser mit Datentransfer von der Kassa zur Schank. Das war damals eine riesige Investition und ein enormer technischer Aufwand. Das System hat sich aber rasch amortisiert und läuft heute noch. Man muß auch Visionen haben und bereit sein, Risiken einzugehen. Das wichtigste ist, seinen Weg konsequent zu gehen. Besonders im Gastgewerbe spielt Kontinuität bzw. gleichbleibende Qualität eine große Rolle. Der Gast muß einschätzen können, was ihn erwartet.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich belaste mich nicht mit Dingen und Umständen, auf die ich ohnehin keinen Einfluß habe. Ich konzentriere mich auf die tatsächlichen, greifbaren Probleme und reagiere dementsprechend. Früher machte ich den Fehler, mich selbst zu wichtig zu nehmen. Ich konnte mir nicht zwei oder drei Tage frei nehmen, ohne fünf Mal täglich im Betrieb anzurufen und zu fragen, ob alles gut läuft. Heute vertraue ich den Mitarbeitern und weiß, daß alles klappt, solange ich keinen Anruf bekomme.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich bin ein umgänglicher, freundlicher und kommunikativer Mensch. Diese Eigenschaften sollte man als Wirt mitbringen, sonst ist es vernünftiger, in einem Büro zu arbeiten.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie haben genauso viel Anteil am Erfolg wie ich selbst. Ich halte aber nichts von allzu freundschaftlichen Verbrüderungen mit den Mitarbeitern. Es muß ein gewisser Respekt vorhanden sein. Trotzdem beziehe ich sie in manche Entscheidungen, etwa bei der Auswahl neuer Lehrlinge, ein, auch wenn ich das letzte Wort habe.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Fachliche Qualifikation vorausgesetzt, entscheide ich nach meinem persönlichen Eindruck. Dabei spielen durchaus Faktoren wie ein kräftiger Händedruck, saubere Fingernägel oder geputzte Schuhe auch eine Rolle.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Das funktioniert sehr gut. Meine Lebensgefährtin Elisabeth ist ebenfalls im Gösserbräu tätig, sodaß wir praktisch die gesamte Zeit zusammen verbringen. Für manche Menschen ist das vielleicht undenkbar, ich sehe es als Vorteil, da man sich sehr gut kennenlernt. Die meisten Leute führen berufsbedingt eine Wochenendbeziehung und kennen sich gar nicht richtig. Das kann dann beispielsweise im Urlaub oder in der Pension böse enden.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Wählt einen Beruf, in dem ihr mit dem Herzen dabei seid! Ist das Herz dabei, sind auch der Kopf und der Bauch dabei. Geld sollte nie die Motivation bei der Berufswahl sein. Wer mit Freude bei der Arbeit ist, wird auch wirtschaftlichen Erfolg haben.
Ihr Lebensmotto?
Stillstand ist Rückschritt. Laß dein Leben nicht dahinplätschern, sondern verwirkliche deine Visionen.