Zum Erfolg von Christoph Reisser
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Voraussetzung für Erfolg ist, daß ich mich mit meiner Tätigkeit wohl fühle. Natürlich bedeutet im beruflichen Bereich auch jede gelungene Operation oder Behandlung einen persönlichen Erfolg.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Da ich mich in meinem Beruf sehr wohl fühle und viel bewirken kann, fühle ich mich auch erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Am Anfang stehen der Fleiß und der Wille, etwas zu erreichen. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Optimismus. Auch die Erfahrungen, die ich in Boston sammeln konnte, haben meine spätere medizinische Laufbahn sicherlich positiv beeinflußt.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Mein Motto ist: Geht nicht, gibt's nicht. Man muß für alle Probleme eine Lösung suchen. Ich glaube auch, daß es vor allem wichtig ist, Entscheidungen zu treffen. Natürlich sollten diese Entscheidungen nach Möglichkeit richtig sein, aber man kann mehr ruinieren, indem man keine Entscheidung trifft. Ich muß in meiner Position sehr viele Entscheidungen treffen, dabei sind mir aber die Meinung und das Urteil meiner Kollegen und Mitarbeiter sehr wichtig. Unangenehme Aufgaben schiebe ich nicht vor mir her. Einen schwierigen Brief zu schreiben ist in einer Woche genauso lästig wie heute, also erledige ich es lieber gleich.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Da kann ich keinen bestimmten Zeitpunkt nennen. Erfolg ist eine stetige Entwicklung, eine Abfolge von erfreulichen Ereignissen - beginnend bei der Promotion bis zu meiner heutigen Position als Primarius.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Wenn man Imitation so definiert, daß man sich an der Handlungsweise beruflicher Vorbilder orientiert, kann Imitation durchaus positiv sein - ohne natürlich im engsten Wortsinn zu imitieren. Ein anderes Beispiel: Als ich ans Hanuschkrankenhaus kam, stellte ich mich zu Beginn in die zweite Reihe und beobachtete, wie die Dinge hier laufen. Dann habe ich versucht, diese Erkenntnisse in meinen Führungsstil zu integrieren. Man soll sich nicht komplett verbiegen, aber es ist auch nicht immer zielführend, für die Originalität das Rad neu erfinden zu wollen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein damaliger Chef in Heidelberg, Prof. Weidauer, prägte mich durch seinen Stil, eine Abteilung zu führen. Prof. Schuknecht in Boston prägte mich durch seine Arbeitseinstellung, durch seine Freude an der Tätigkeit. Er strahlte eine ungeheuer positive Lebenseinstellung und Zufriedenheit aus - und war sehr erfolgreich.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Medizinische Versorgung in einem Krankenhaus ist Teamarbeit, ich bin auf meine Kollegen und Mitarbeiter angewiesen und weiß, was ich an ihnen habe. Sie machen den Erfolg der Abteilung aus und werden in meine Entscheidungen eingebunden. Außerdem tragen die Mitarbeiter ganz entscheidend dazu bei, daß ich mich in meinem Arbeitsumfeld wohl fühle. Natürlich muß ich manchmal auch Kritik üben, aber ich versuche diese (in Gegenwart anderer) auf eher abstrakte, allgemeine Weise zu formulieren, sodaß die Betreffenden zwar wissen, was gemeint ist, aber nicht persönlich bloßgestellt werden. Direkte Kritik formuliere ich im persönlichen Gespräch.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich motiviere sie durch mein Vorbild und verlange von ihnen vor allem Ehrlichkeit. Je weiter man in der hierarchischen Pyramide oben steht, desto seltener erhält man ehrliche Meinungen. Daher fordere ich die Mitarbeiter immer wieder auf, mir ehrlich zu sagen, wenn ihnen etwas nicht paßt. Ich denke, die Möglichkeit auch Kritik „nach oben“ zu üben, motiviert zu einer persönlicheren Identifikation mit der beruflichen Tätigkeit.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich halte es für ganz wichtig, das Private nicht dem Beruf unterzuordnen. In der Freizeit, in der Familie tankt man Kraft und Freude für den Berufsalltag.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Junge Leute, die gerne in der Medizin tätig sein möchten, sollen sich durch „Horrorgeschichten“, die so über Ausbildung, Warten auf einen Turnusplatz und Berufschancen erzählt werden, nicht abschrecken lassen. Wenn die Medizin der Traumberuf ist, muß man zwar einige Entbehrungen und Mühen auf sich nehmen, aber es lohnt sich auf jeden Fall.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe ein für mich seinerzeit kaum vorstellbares Karriereziel erreicht, und zwar auf einem geraden Weg. Ich bin sehr zufrieden, und das will ich auch in Zukunft bleiben.
Ihr Lebensmotto?
Geht nicht, gibt's nicht.