Zum Erfolg von Carlo Wolf
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich Spaß - ich arbeite, weil ich gerne arbeite. Natürlich spielt auch die finanzielle Komponente eine Rolle, doch sie steht nicht an erster Stelle, denn in erster Linie zählt für mich die Freude an meiner Tätigkeit. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Neben einer ordentlichen Portion Glück und meiner Affinität zu Zahlen war auch sehr viel Persönlichkeit notwendig. Wie man an meinem Werdegang sieht, sind akademische Grade nicht unbedingt erforderlich. Man muß oft einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein; und wenn ich selbstkritisch bin, so ist Ende der neunziger Jahre allein aufgrund des Wachstums jeder in unserer Branche irgendwo aufgestiegen. Doch nach dem Platzen der Internetblase 2000/01 trennte sich die Spreu vom Weizen, und was mich stolz macht, ist die Tatsache, mich auch danach weiter auf dem aufsteigenden Ast befunden zu haben. Auch meine soziale Kompetenz - und zwar in alle Richtungen, nach oben, unten und zur Seite - war ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ich höre stark auf meine Intuition und habe gerne mit Menschen zu tun.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Früher trat ich Herausforderungen noch nervöser entgegen, doch mittlerweile begegne ich ihnen aufgrund meiner Reife und meines Erfahrungsschatzes viel gelassener. Ich lasse viele Ideen im Team entstehen und folge meiner Intuition. Am Ende muß ich eine Entscheidung treffen, die oft nicht nur auf Fakten basiert.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich war kein guter Schüler, insofern war meine Karriere nicht vorgezeichnet. Im Beruf trug ich relativ früh Verantwortung, so war ich mit Mitte 30 bereits für eine Landesorganisation verantwortlich. Ich kann keinen Zeitpunkt definieren, ab dem ich mich erfolgreich fühlte, da ich immer nach dem nächsten Ziel strebe. Ich freue mich über bestimmte Momente, doch es gibt für mich keinen Stillstand in meiner beruflichen Entwicklung.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Meines Erachtens machen Kompetenz, Persönlichkeit und Kreativität den Erfolg aus. Kompetenz läßt sich vielleicht zu 80 Prozent erarbeiten, Persönlichkeit zu 50 Prozent und Kreativität zu 20 Prozent. Originalität, die ich für mich als Kombination aus Kreativität, Spontanität und Humor definiere, ist wohl wichtig, um erfolgreich zu sein, doch für mich hat auch Imitation nichts Schlechtes. Oft ist es nämlich die größere Fähigkeit, etwas von anderen zu übernehmen und zum Erfolg zu führen, als alles selber zu erfinden. Man soll sogar auf anderen Dingen aufbauen und sie sich zunutze machen.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Mein Mentor war Yvon Leroux von Cisco Frankreich. Er war es, der mich überzeugt hatte, bei Cisco zu bleiben. Er hatte vier, fünf Jahre intensiven Einfluß auf meine Entwicklung - er hatte mich als seine rechte Hand zu sich geholt und war auch der Grund, warum ich nach Italien gegangen bin. Auch heute noch stehen wir in Kontakt zueinander, und ich frage ihn immer wieder um Rat.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
In beruflicher Hinsicht wurde mir Anerkennung zuteil durch die Möglichkeit, mich immer wieder zu verändern und weiterzuentwickeln. Neben dem persönlichen Feedback von Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen erfüllt mich auch mit Freude, daß meine beiden Söhne ihren Weg gehen. Auch war es eine tolle Erfahrung, einen Marathon zu Ende gelaufen zu sein.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Der Lebenslauf ist auch wichtig, doch „Cultural fit“ ist für mich das wichtigste Kriterium.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich halte es für wesentlich, einen gewissen Teamspirit aufzubauen. Wenn jemand gerne im Team arbeitet und gerne zur Arbeit kommt, dann erbringt er auch die gewünschte Leistung. Wir legen großen Wert auf Teamentwicklungsprozesse und auf ein 360 Grad-Feedback, denn wenn etwas schlecht läuft, sollte man in der Lage sein, dies auch zu artikulieren.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich werde als zielstrebig und offen gesehen, manchmal auch als emotional, auf jeden Fall aber als jemand, der viel mit seinem Team diskutiert, es fördert und auch fordert. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Wir haben das Glück, in den meisten Segmenten Marktführer zu sein. Wir gehen respektvoll mit der Konkurrenz um und nehmen sie ernst, und natürlich dient sie uns auch als Ansporn, selbst das Beste zu geben.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Die Vereinbarkeit dieser beiden Bereiche gelingt mir nicht so gut, wie ich mir das wünschen würde. Meine Frau und meine beiden Söhne sind in München geblieben, und so pendle ich zwischen Wien und München. Ich brauche auch Zeit für meine Hobbys, doch ich habe das Glück, einen Großteil meiner Hobbys mit der Familie teilen zu können.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich wende ca. zwei bis drei Wochen pro Jahr für meine Weiterbildung auf.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Man soll auf sich selbst und seine Intuition hören.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Weiterentwicklung ist mein oberstes Ziel - ich bin jetzt aber nicht von künstlichem Ehrgeiz zerfressen.
Ihr Lebensmotto?
Enjoy the moment.