Zum Erfolg von Roland Stocker
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, meinen persönlichen Weg so zu gehen, daß ich vor mir selber Achtung haben, mich abends in den Spiegel schauen und zu meinen Taten und Entscheidungen stehen kann. Erfolg ist für mich in Zusammenhang mit Kohärenz, Geradlinigkeit und Korrektheit zu sehen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im christlichen Sinne nicht, da sehe ich mich noch auf dem Weg. Im Sinne meiner Definition erachte ich mich sehr wohl als erfolgreich. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Die Erkenntnis, daß die Treue zu sich selbst und die Bereitschaft, sich zu engagieren und Arbeit zu leisten, letztendlich von Erfolg gekrönt sind. Eine große Rolle spielte selbstverständlich bei mir auch das Elternhaus, das sich durch eine sehr religiös geprägte Atmosphäre und ein gutes Familienleben auszeichnete. Wichtig waren für mich auch die Erfahrungen, die ich als Werkstudent sammeln durfte.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Schon während des Studiums, als ich in einer Wiener Pfarre intensiv mitarbeitete. Ich sah, daß mein Engagement Früchte trug und auch seitens der Bevölkerung anerkannt wurde - das war ein wesentliches Erfolgserlebnis.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
In vielen! Ein Beispiel für einen persönlichen Erfolg: Meine Mutter, Verwandte und andere hätten mich gerne als Priester gesehen. Ich entschied mich jedoch für die Medizin, weil ich mein Engagement nicht auf den religiösen Bereich beschränken wollte, sondern den Menschen in seiner ganzen Bandbreite erfassen wollte. Ich weiß heute, daß dies die richtige und schließlich auch erfolgreiche Entscheidung war. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Es gibt viele, von denen ich vor allem lernte, wie ich es nicht machen möchte. Berufliches Vorbild habe ich keines; als Mensch war mir mein Onkel, ein Deutschordenspriester, ein Vorbild, da er integer und gradlinig, umfassend gebildet und dennoch sehr bescheiden war. Einen Mentor gibt es ebenfalls nicht, und darauf bin ich auch stolz. Ich verdanke meine Erfolge keinen Beziehungen und keinen Seilschaften. Einzig meinem bereits erwähnten Hauptschullehrer, meinem Elternhaus und meiner Frau bin ich zu Dank verpflichtet, daß ich schließlich diesen Weg gehen durfte. Ich bin niemandes Herr und niemandes Knecht!
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung wird mir insbesondere durch die Dankbarkeit meiner Patienten zuteil, die mir als unmittelbare Erfahrung am wichtigsten ist. Ich erfahre auch Anerkennung seitens meiner Fachkollegen im Bereich der Handchirurgie, die mir ebenfalls viel bedeutet. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Ein großes Problem in der Medizin besteht darin, daß sie sich ganz stark in Richtung Objektivierung, Nachvollziehbarkeit, Standardisierung und vor allem Wirtschaftlichkeit entwickelt. Ich halte das für einen falschen Weg! Die Medizin und vor allem das Heilen sind Interaktion zwischen Patient und Arzt - dieses Moment wird vom System nicht erkannt. Daran krankt die moderne Medizin! Welche sind die Stärken Ihrer Ordination? Umfassendes Fachwissen, handwerkliches Können, Ernstnehmen von Seele, Geist und Körper und vor allem Zeit. Ich nehme mir sehr viel Zeit für meine Patienten, ich bin für sie da und auch jederzeit am Mobiltelefon zu erreichen. Viele Patienten kommen zu mir, weil ich ihnen zuhöre, sie ernst nehme und sie sich verstanden fühlen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Die Vereinbarkeit dieser beiden Bereiche ist manchmal schwierig, aber ich habe eine wunderbare Frau, die voll und ganz hinter mir steht. Wir sind eine gut funktionierende Familie und pflegen mit den Kindern ein Familienparlament, in dem jede Woche eine Stunde lang gleichberechtigt die anstehenden Aufgaben besprochen und aufgeteilt werden. Dadurch gibt es auch einen großen gegenseitigen Vertrauensvorschuß. Außerdem trenne ich strikt: Wenn ich einmal frei habe, dann bin ich privat und für meine Familie da. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Meine Weiterbildung umfaßt verschiedene Bereiche, wie den Besuch von Fortbildungsveranstaltungen oder die Lektüre von Fachpublikationen und Büchern. Für all das wende ich sicher durchschnittlich etwa 15 Stunden pro Woche auf.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist eine noch bessere Auseinandersetzung mit dem Patienten und eine Optimierung der Abläufe. Ich verfasse sehr ausführliche Arztbriefe und möchte diese aber effizienter gestalten. Mein langfristiges Ziel entspricht dem Buchtitel Der Weg zum Wesentlichen von Stephen R. Covey.