Zum Erfolg von Oskar Kessler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Zu Erfolg gelangt man heute nur dann, wenn man vielseitig ist. Umfassendes Wissen, kaufmännisches Können und Einfühlungsvermögen gehören dazu.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, für mich ist wichtig, daß ich alle Stationen durchlaufen habe, um heute meine Tätigkeit wirklich gut ausüben zu können. Das Wissen um die Materie ist einfach zu wenig, ein erstklassiger Betrieb will auch entsprechend vermarktet werden. Diesen Betrieb konnte ich im Laufe der Jahre neu positionieren und eine erfolgreiche Struktur aufbauen. Ich habe es geschafft, mit den sechs großen deutschen Reiseveranstaltern zusammenzuarbeiten, arbeite seriös und betreibe keine Freunderlwirtschaft. Wir haben sehr großen Erfolg mit Kurgästen und verstehen uns heute als Wellness- und Seminarhotel. Es war mir wichtig, etwas zu machen, das niemand anderer zuwege bringt. Ich habe dafür hart gearbeitet und auf Urlaube bzw. freie Tage verzichtet, aber auch mein Privatleben ist zufriedenstellend, was eine Grundvoraussetzung für den Erfolg im Beruf darstellt. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Schon als Jugendlicher hatte ich den Wunsch, beruflich einmal mit Menschen zu tun zu haben. Mein Weg war untypisch, da ich ursprünglich die Beamtenlaufbahn einschlagen sollte und keine touristische Ausbildung genoß. Für eine Spitzenposition ist jedoch unbedingt Erfahrung notwendig, die meiner Meinung nach eine Sache des Alters darstellt. Die menschliche Reife kann man in jungen Jahren einfach nicht haben. Diese braucht man aber nicht nur, um Mitarbeiter auszubilden, sondern vor allem, um sie zu führen und ihnen ein gutes Vorbild zu sein.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich war stets sehr sozial eingestellt und wollte anderen helfen. In Arnoldstein war ich Bindeglied zwischen Italien und Österreich, weil wenige die Sprache des anderen beherrschten.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich bin jetzt das sechste Jahr Prüfungsvorsitzender bei den Lehrabschlußprüfungen im Bereich Hotel- und Gastgewerbeassistent und Restaurantfachmann. Dafür habe ich die entsprechenden Dekrete erhalten. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ja, meine Eltern, die mir bis heute Vorbild sind. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Es geht um die Mitarbeiter, die erstklassig ausgebildet werden müssen, um die Marke Österreich würdig vertreten zu können. Der Charme der Österreicher und die gute Küche werden von den Gästen erwartet. Da sehe ich vermehrt das Problem, daß den jungen Leuten die Liebe zum Beruf fehlt. Die Branche hat mit einem Imageverlust und mit familienfeindlichen Arbeitszeiten zu kämpfen. Wir müssen mit der nächsten Generation vehement auch gegen schwarze Schafe ankämpfen, und ich bin recht froh, daß mit den trendigen Kochsendungen dem bereits Rechnung getragen wird. Die Methoden mancher Lehrherren sind ebenfalls veraltet, viele Lehrlinge werden nicht umfassend ausgebildet, was aber wiederum damit zu tun hat, daß ein halbwegs guter Schüler eine höhere Schule anstrebt und die intellektuell Schwächeren für die Lehrberufe übrig bleiben. Ich sehe in der Rekrutierung von ausländischen Lehrlingen keine Lösung, weil damit das Urtypische verloren geht und diese Personen sich nicht mit dem identifizieren können, was sie tun. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Meine vielfältigen Qualifikationen zeichnen mich besonders aus und runden die vom Haus gebotenen Qualitätsmerkmale in harmonischer Weise ab. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Mein persönlicher Rat lautet, sich Zeit zu lassen, um seine Interessen und Fähigkeiten auszuloten. Darunter verstehe ich, aktiv zu sein, die Augen offen zu halten und einiges auszuprobieren. Es ist auch kein Problem, die Schule oder den Lehrberuf zu wechseln. Mein zweiter Appell - da sind die Politiker gefordert - ist der, auch in Österreich die mittlere Reife einzuführen, weil danach die Jugendlichen gefestigter und reifer an die Berufswahl herangehen. Dabei denke ich auch an die Überwindung der schwierigen Phase der Pubertät. Die Lehre ist eine große Chance auf dem Weg zur Karriere. Jedoch läßt in Österreich die Allgemeinbildung sehr zu wünschen übrig - besonders Fremdsprachenkenntnisse fehlen, wobei wir bald von den Ländern des ehemaligen Ostblocks überholt und uns nur mehr die Hilfsarbeiterposten bleiben werden. Wenn jemand erfolgreich werden will, kommt er nicht umhin, in jungen Jahren privat auf vieles zu verzichten. Er muß viel mehr leisten als andere. Der Mut zum Risiko darf keine Eintagsfliege sein, er muß ständig bewiesen werden. Gerade die Tourismusbranche ist stetigen Veränderungen ausgesetzt. Wir sind hier aber so vielschichtig gelagert, daß, wenn ein Segment einbricht, die anderen Möglichkeiten dies wunderbar abfedern. So gesehen ist Vielseitigkeit in allen Bereichen unbedingt ratsam.