Zum Erfolg von Dieter Freund
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Zu meinen Aufgaben gehört unter anderem die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. Der Erfolg zeigt sich für mich darin, wenn das Erlernte bei der Belegschaft dazu führt, dass sie ihre Karriere weiter vorantreiben.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Auf Grund meiner bisherigen Karriere sehe ich mich durchaus als erfolgreich. Es gibt jedoch noch verschiedene Ziele, die ich erreichen möchte.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich glaube, dass Beharrlichkeit mich so weit gebracht hat. Erfolgreich sind meiner Ansicht nach immer jene Persönlichkeiten, die Rückschläge verkraftet haben und immer wieder aufstehen. Beharrlichkeit und langfristig in die Zukunft zu blicken, sowie die Mitarbeiter*innen auf neue Aufgabenbereiche vorzubereiten, sind Themen, welche mir große Freude und Spaß bereiten. Leider ist es eine Tatsache, dass in vielen Unternehmen sehr oft kurzfristig gedacht wird. Dieser Aspekt tritt auch in Bewerbungsgesprächen immer wieder auf. Mit dieser Kurzfristigkeit verlieren die Bewerber*innen ihren Entwicklungsprozess. Diese Kurzfristigkeit passt nicht in unsere Firmenkultur. Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen, welches bereits über 145 Jahre alt ist und eine Spitzenposition erreicht hat. In Deutschland gibt es uns schon in der „5.Generation“. Wir „kochen“ mit sozialer Kompetenz, welche unsere Stärke ist und den „Haupttreiber“ für unser erfolgreiches Tun und Handeln darstellt. Wir leben nach einem Wertekatalog und sind weggekommen von reinen Zahlenbewertungsvorgängen, wenn wir ein Mitarbeitergespräch führen. Es geht darum, inwieweit unsere Werte erfüllt wurden, damit wir für den Kunden die beste Dienstleistung bieten können.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich behaupte, dass der Lernprozess mit Imitation beginnt. Die Originalität kommt mit der Zeit, also bei der Umsetzung in der Praxis. Daher legen wir auch Wert darauf, dass Führungskräfte Vorbildwirkung entfalten, um Mitarbeiter im Aufbau der notwendigen Kompetenzen zu unterstützen und auf die Exzellenz vorzubereiten.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ein Vorbild im klassischen Sinne hat es für mich in der Versicherungswirtschaft nie gegeben. Allerdings gab es eine Vielzahl von Persönlichkeiten, welche mich durch ihr Tun und Handeln sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht beeindruckten.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Ein großes Problem sehe ich im HR-Bereich, wo es gilt, passenden Nachwuchs zu finden. Es ist bekannt, dass unsere Branche kein besonders gutes Image hat. Ich würde empfehlen, die Versicherungsbranche mit allen ihren Facetten genau zu betrachten, denn es ist ein Unterschied, ob man bei einem kleineren lokalen Makler, einem Versicherungsunternehmen, oder einem Industriemakler tätig sein möchte. Als Industriemakler geht es uns vor allem um das Risikoverständnis. Wir versichern Unternehmen auf Basis unserer Expertise im Risikomanagement. Alles andere könnte in Zukunft vermehrt die künstliche Intelligenz abgewickelt werden. Das Versichern als solches, ist erst der letzte Vorgang in der Kette. Wichtig ist, dass man den Kunden versteht, und das bedarf vor allem hoher sozialer Kompetenz. Potentielle Mitarbeitende zu finden, die über diese Kompetenz verfügen und auch bereit sind unsere Werte zu leben, stellt uns vor große Herausforderungen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Der oder die Bewerber*in sollte fachliche Kompetenz und die Bereitschaft mitbringen, nach unseren Werten zu leben. Bereits im Recruiting-Prozess werden die Bewerber auf unser Wertesystem hin getestet, d.h. wie ist der Auftritt, die Vorlieben, die Kernwerte, wie integrierbar sind sie in das bestehende Mitarbeiterteam und wie „langfristig“ sind seine oder ihre Gedanken. Langfristigkeit und Nachhaltigkeit haben bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Dadurch ist der Bewerbungsvorgang ein sehr intensiver Prozess. Letztlich stellt sich die Frage, ob der oder die Bewerber*in mit unserer Wertehaltung dauerhaft leben kann, oder nicht. In der Industrieversicherung sind wir die „Nummer 3“ und können die Topunternehmen der österreichischen Industrie zu unseren Klienten zählen. In Europa können wir auf rund 1.700 Mitarbeiter*innen verweisen und europaweit sind wir einer der größten Makler. Diese „Größe“ wurde durch unsere Wertehaltung erreicht. Bekannt ist, dass man die fachliche Kompetenz erlernen kann, wenn die soziale Komponente fehlt, hat man es sehr schwer.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
In unserer sehr flachen Unternehmenshierarchie haben wir die Verantwortung verstärkt in die zweite Ebene übertragen. Wir befinden uns in einem Generationenwechsel, d.h. wenn man die 50iger erreicht hat, gilt es sich langsam um einen Nachfolger umzusehen. Unser Unternehmen denkt und plant in 10 bis 15 Jahresschritten. Dieser langfristige Planungsprozess zeigt sich auch bei den einzelnen Karriereplänen der Mitarbeiter*innen. Die Entwicklung ist ein Teil des Motivationskonzeptes. Wir beginnen mit Teamverantwortung, später Bereichsverantwortung und zuletzt Mitglied der Geschäftsleitung. Viele Bewerber*innen haben sich über das Thema Verantwortung nicht allzu viele Gedanken gemacht. Unser Anspruch ist, dass wir die Mitarbeiter*innen dorthin bringen, dass sie Verantwortung übernehmen können und wollen. Diese Verantwortung zeigt sich extern, also gegenüber dem Klienten und auch intern im Verhalten innerhalb der Kollegenschaft.
Wie verhalten Sie sich dem Mitbewerb gegenüber?
Wir kennen unsere Mitbewerber und verhalten uns sehr sportlich. Die Versicherungskonzerne ticken ganz anders als wir. Unser System ist, wie bereits angesprochen, ein ganz anderes. Die persönliche Kompetenz steht bei uns im Vordergrund und wird auch von unseren Klienten sehr geschätzt.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Markenwerte sind nicht nur Kern unserer Tätigkeit, sondern auch persönliche Guideline in der Entwicklung jedes einzelnen Mitarbeitenden. Die Stärke sehe ich in der Wertehaltung: effizient, flexibel, verlässlich, unabhängig, persönlich und verantwortungsbewusst. Durch ganzheitliche Risikoberatung und intelligentes Versicherungsmanagement weltweit sorgen wir bei unseren Kunden mit unserer Expertise für mehr Sicherheit – dies ist unsere Vision bei FUNK. Unser Anspruch an uns selbst ist, mit den Anforderungen volatiler Märkte stets Schritt zu halten. So sind wir durch fortlaufende Innovationen im Stande, auch auf neue Situationen angemessen und überlegt zu reagieren. Als Systemhaus für Risikolösungen verbinden wir dabei die traditionellen Kompetenzen eines technischen Versicherungsmaklers mit den Dienstleistungen eines modernen Beratungsunternehmens für ganzheitliches Risikomanagement. Als Familienunternehmen entwickeln wir uns stetig weiter, passen unser strategisches Handeln an neue Herausforderungen an und nutzen neue Chancen um individuelle Lösungen konsequent am Bedarf des Kunden auszurichten. Dabei sorgen unsere Unternehmenskultur und Markenwerte für Stabilität in einer sich rasch wandelnden Welt. So garantieren wir, unsere Kunden auch in Zukunft als langfristiger und unabhängiger Partner zu begleiten, denn die Sicherheit liegt uns am Herzen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Die Bereiche kann ich nicht trennen. Als HR-Leiter trage ich die Verantwortung für unsere Mitarbeiter und bin auch mit vielen persönlich befreundet. Wenn man 15 Jahre in einem Unternehmen tätig ist und somit die Mitarbeiter*innen begleitet, dann entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis. Auf diesem Vertrauensverhältnis baut unser erfolgreiches Unternehmenskonzept auf. Vertrauen ist unser Schlagwort sowohl bei den Klienten als auch bei unseren Mitarbeiter*innen. Somit ist eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben nicht einfach. Das soziale Umfeld für die Mitarbeitenden ist für mich als Führungskraft ebenso von Bedeutung, wie die fachliche Komponente. Trotz der Größe unseres Unternehmens leben wir nicht die „Konzernphilosophie“, sondern der familiäre Charakter steht eindeutig im Vordergrund.
Wie viel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Es ist ein laufender Vorgang. Wir achten darauf, dass wir in der Geschäftsleitung, Aus- und Weiterbildungsaktivitäten setzen. Abgesehen von der gesetzlichen Vorschrift im Sinne der Weiterbildung, bietet unser Unternehmen sehr viele Möglichkeiten auch für Mitglieder der Geschäftsleitung an. In Hamburg haben wir die FUNK-Akademie, wo Führungskräfte ausgebildet werden; aber auch externe Weiterbildungsaktivitäten für Führungskräfte werden genutzt. Auch im täglichen Arbeitsprozess lernt man permanent dazu, somit ist die Zeit nicht wirklich messbar.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wer sich für unser Metier interessiert, sollte der Maklerei mit Offenheit begegnen und keine Hemmschwelle haben mit fremden Mitmenschen zu kommunizieren. Lern¬bereitschaft sollte kein Fremdwort sein, ebenso gilt es die soziale Komponente weiter zu entwickeln um eine verantwortungsvolle Position zu übernehmen. Wer Kommunikationsvermögen, Lernbereitschaft und soziale Kompetenz mitbringt, ist bei uns gut aufgehoben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe schon sehr viel erreicht und sehe mich zufrieden, was aber nicht bedeutet, dass ich keine Ziele habe. Mein persönliches Ziel als Mitglied der Geschäftsleitung sehe ich darin, dass wir unser Unternehmen weiterentwickeln und noch vielen Mitarbeitern eine langfristige „Heimat“ bieten können. Ich werde weiterhin meinen Beitrag leisten, um den bisherigen erfolgreichen Weg des Unternehmens zu unterstützen und die zukünftigen Herausforderungen des Marktes zu bewältigen.