Zum Erfolg von Wolfgang Glück
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Die äußeren Erfolge sind z.B. die Oscar-Nominierung und große Angebote (z.B. das Angebot des Burgtheaters). Innerer Erfolg ist das Gefühl, etwas was ich mir vorgenommen habe, lösen zu können. Er-Lösung einer Aufgabe, z.B. einer problematischen Szene, - sei es beim Film oder Theater - gibt mir Befriedigung. Ein großer Erfolg ist es auch, seit 50 Jahren in dieser Branche fast lückenlos ohne Durststrecke tätig zu sein - Kontinuität ist Erfolg, ebenso wie die Bestätigung der Begabung. Bei Künstlern erfolgt das in kleinen Dosen, dadurch ist der Erfolg aber umso wohlschmeckender.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, sowohl Autoren als auch Schauspieler arbeiten gerne mit mir zusammen. Auch meine beiden Töchter stehen fest im Leben, was für mich auch Erfolg bedeutet. Erfolg ist nicht programmierbar, mein größter Erfolg Schüler Gerber war keineswegs voraussehbar.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Fleiß, Beobachtungsgabe und psychologische Fähigkeiten. Man sagt mir nach, daß ich Freundlichkeit mit Zähigkeit und Beharrlichkeit verbinden kann. Das Wissen um meine Schwächen und Stärken ist ebenso wichtig, wie der Versuch ständig an mir selbst zu arbeiten, Neugier bis ins Alter und Verläßlichkeit. Ich kam schon früh durch meine Familie mit dem Theater in verwandtschaftliche Berührung. Seit meinem 14. Lebensjahr wollte ich den Beruf ergreifen und spielte schon als Schüler Theater. Liebe ist für das Selbstbewußtsein wesentlich, das wiederum für den Erfolg wichtig ist. Durch Gespräche wird man gestärkt und gestützt, man bekommt dadurch Selbstwertgefühl. Ich bin jemand - nicht mehr und nicht weniger. Meine Töchter bestätigen mich sehr, nehmen viel Anteil und die Familie fängt einen auf, wenn Verzweiflung ausbricht.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
In allen Sparten weiterzuarbeiten und mich nicht auf eine einzige Kunstform festzulegen, war richtig. Ich mache Regie für Theater, Oper, Spielfilme, Dokumentationen, TV, Werbung, schreibe Drehbücher, etc. Mich hat immer die Vielfalt der Aufgaben gereizt.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ich bewundere verschiedene Leute, einem Idol eifere ich aber nicht nach. Geprägt wurde ich von Berthold Viertel, bei dem ich im Burgtheater fünf Jahre Assistent war. Bei Vorbildern sehe ich aber auch Schwächen, man darf daher nie blind glauben, sondern muß immer wieder prüfen und bewerten.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die größte Anerkennung war die Oscar-Nominierung, die Aufnahme in die Academy in Hollywood - als einziger Österreicher, meine langjährige Freundschaft mit Filmgrößen wie z.B. Billy Wilder und die Verdienstmedaille der Stadt Wien.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Von meiner Familie werde ich sehr geliebt. Mein Umfeld sieht mich oft als zu nachgiebig und schätzt meinen übertriebenen Wunsch geliebt zu werden nicht so sehr, ich werde aber als erfolgreich angesehen. Das Klima in der Hochschule hat sich unter rmeiner Leitung sehr gebessert, man zweifelt aber an meiner Objektivität.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Nach beruflichen und menschlichen Kriterien, besonders aber nach den Kriterien des Aufbauwillens und der produktiven Kritik, aber keinesfalls nach der Bereitschaft sich zu unterwerfen. Unterwerfung langweilt mich sowohl bei Mitarbeitern, als auch bei Frauen - beide müssen mir ein gleich starker Partner sein.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ausdauer und Toleranz sind wichtige Faktoren für den Erfolg.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Noch mehrere Filme zu machen, gesund zu bleiben solange es geht und nicht elend dahinzusterben, sondern, zum bestimmten Zeitpunkt schnell und schmerzlos zu gehen.
Ihr Lebensmotto?
Das Schielen nach dem Erfolg macht kurzsichtig, nur die unnachgiebige Lösung von Aufgaben führt zum Erfolg.