Zum Erfolg von Herwig Kollaritsch
Was ist für Sie Erfolg? Wenn man mehr als der Durchschnitt erreicht, dabei Befriedigung erfährt und die Arbeit auch Bedürfnis ist.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, in einem gewissen Maß. Ich bin nicht Herr Flick, aber es geht mir gut und ich bin mit meiner Arbeit zufrieden.
Wie sieht Sie Ihr Umfeld - als erfolgreich?
Ja, Außenstehende sehen, daß ich es in der akademischen Laufbahn schnell zu etwas brachte - das kann man nicht erkaufen, sondern man muß dafür Leistung erbringen. Auch wird mein relativer Wohlstand und meine Anerkennung im fachlichen Bereich gesehen.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Hier am Institut als Assistent zu beginnen. Sonst wäre ich wohlbestallter Oberarzt eines Gemeindespitals geworden, hätte aber kaum weitere Karrierechancen gehabt. Hier war Risiko dabei, letztlich hatte ich aber mehr Chancen.Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Instinkt, Glück, Fleiß und Mut zum Risiko. Glück deshalb, weil vor 20 Jahren Reisemedizin noch kein Thema war, ich aber voll auf dieses Feld setzte. Der Tourismus in ferne Länder entwickelte sich zum Glück so, wie ich das gehofft hatte - hier kam ich in eine Marktnische und dieser Markt entwickelte sich. Das war auch Instinkt. Es gab damals nur einen einzigen Arzt in der Schweiz, der sich mit diesem Thema befaßte - der Massentourismus setzte erst Mitte der 80er Jahre ein, vorher gab es nur einige Berufsreisende, um die sich keiner kümmerte. Da wollte ich etwas tun. Dazu war es auch nötig, daß das Umfeld stimmte, das heißt, die wirtschaftliche Situation des Landes, die Konjunktur mußte stimmen, den Leuten mußte es gut gehen und es mußte Frieden herrschen.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Intelligenz, Durchsetzungsvermögen, lernwillig zu bleiben und sich ständig fortzubilden.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Während des Studiums war ich gezwungen, Geld zu verdienen und da eine Stelle für eine wissenschaftliche Hilfskraft frei war, nahm ich sie an. Schließlich fand ich mich hier ein und entwickelte Interesse. Generell kristallisierte sich Medizin als Beruf schon in der Mittelschule heraus.Welche Rolle spielt die Familie? Meine Frau braucht eine hohe Toleranzbereitschaft, da ich viel auf Reisen bin. Das wußte sie bereits vor unserer Heirat.Und welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiter? In einem kleinen Institut ist Teamfähigkeit sehr wichtig. Kurioserweise habe ich nur Mitarbeiterinnen. Im Institut haben wir viele Wiedereinsteigerinnen und Studienabbrecherinnen - sie sind sehr gut formbare, ich habe gute Erfahrungen gemacht - die Leute bleiben sehr lang bei mir.Nach welchen Kriterien stellen Sie Ihre Mitarbeiter ein? Ich habe einen Headhunter engagiert, der nach genauen Vorgaben eine Vorselektion trifft - mir sind dann besonders menschliche Qualifikationen wichtig. Die Headhunter-Kosten sind bestens investiert. Im Institut zählt vor allem die wissenschaftliche Qualifikation.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Durch Gespräche, gemeinsame Unternehmungen, durch Lob und finanzielle Anreize. Vor allem müssen die Mitarbeiter das Gefühl haben, daß man ihre Leistungen schätzt. Wichtig ist auch Corporate Identity, das heißt, die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, ein Stück des Institutes zu sein, eine Art von Sippenhaftung.
Kennen Sie Niederlagen?
Die einzige - wenn auch nicht persönliche - ist, daß das Institut aufgelöst und nur noch eine Abteilung sein wird. Dadurch verliert es viel an Eigenständigkeit. Mir tut der wissenschaftliche Nachwuchs leid, denn mich trifft dies nicht mehr. Mit dieser Veränderung muß ich mich abfinden, sie hat weder auf meine Reputation noch auf meine finanzielle Situation Einfluß. An andere Niederlagen erinnere ich mich nicht, aber vielleicht habe ich auch Rückschläge nicht als solche erkannt.Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft? Spaß an der Arbeit - wenn sie mich nicht freuen würde brächte ich auch nicht den nötigen Einsatz.
Ihre Ziele?
Ich habe alles erreicht und kann karrieremäßig nichts mehr erreichen.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Von meinem Chef wenig: er konnte Anerkennung nicht ausdrücken, und das wußte ich auch. Allgemein bin ich aber in meinem Bereich anerkannt, ich bin aber Realist genug, meine Grenzen zu erkennen. Ich weiß, daß ich kein Genie bin, das einen Nobelpreis bekommt. Anerkennung spielt keine allzu große Rolle für mich, ich bin auch nicht daran interessiert, Politiker oder Präsident von Vereinen zu werden.
Ihr Erfolgsrezept?
Vor allem muß man bereit sein, es zu versuchen - als von Natur aus ängstlicher Mensch ist man in einer Tintenburg sicher besser aufgehoben.
Anmerkung zum Erfolg?
Wenn man an ein Projekt herangeht, braucht man Selbstvertrauen und muß bereit sein, mehr Arbeit, Zeit und Überzeugung als üblich zu investieren. Jede Firma steht und fällt mit der Person des Unternehmers, er muß bereit sein, viel mehr als andere zu geben und alle Tätigkeiten - bis hin zum Kloputzen - auszuführen.