Zum Erfolg von Ludwig Zawodsky
Was verstehen Sie unter Erfolg? Bereits während der Mittelschulzeit habe ich den Wunsch gefühlt, Mediziner zu werden und habe mich somit auch während der Schulzeit mit der praxisbezogenen Tätigkeit befaßt. Erfolg ist für mich die Befriedigung aus der Tätigkeit zu erleben. Ich freue mich, wenn ich gebraucht werde und wenn meine Arbeit sich in einem positiven Feedback widerspiegelt. Wichtig ist für mich Sinnvolles zu tun und den Patienten nicht nur eine rein pragmatische Erfüllung medizinischen Wissens, sondern auch menschliche Nähe zu bieten. Ich war in der Schulzeit ein mäßiger Schüler, habe jedoch mein Studium in der damals kürzestmöglichen Zeit absolviert. Ich promovierte mit 23 Jahren. Woraus schöpfen Sie Kraft? Ich war als Student in der katholischen Jugend tätig und war später Pfarrgemeinderat, um mich unter Gleichgesinnten bewegen zu können. Die Aufgaben des Schicksals der letzten Jahre habe ich gut bewältigt (Tod des ältesten Sohnes, Schlaganfall der Ehefrau und deren Tod). Aus dem Ghetto des Erfolges konnte ich in die Offenherzigkeit freundschaftlicher Beziehungen von Menschen eintreten. Ich bin mit einem fachärztlichen Kollegen per Du, bin aber nicht durch Kameradschaft verbunden, sondern im Rahmen einer dankbaren Beziehung, die durch die Loyalität meines Mitarbeiters in schweren Zeiten begründet wurde. Dies hat aber das Führungsverhältnis nicht getrübt, im Gegenteil, ich versuche den Nächsten zu verstehen, wenn er mir seine Probleme erzählt. Ich gehe davon aus, daß er mich auch nicht belügt. Ich glaube auch, daß sich öffnen, das heißt sich seine eigenen Emotionen einzugestehen, und dies auch zu verbalisieren, und den Mitmenschen darzustellen, eine Überwindung erfordert, die ich vor einigen Jahren noch nicht kannte. Ich fühlte sowohl in meinem Elternhaus, als auch bei meiner Frau, mit der ich 37 Jahre verheiratet war ein hohes Maß an Geborgenheit. Das förderte auch den linearen Aufstieg. Ich bin auch Milizoffizier, lernte mit Menschen umzugehen und erfuhr, daß Menschen sich nach Erfolg sehnen, um schließlich Zuneigung zu bekommen. Dieses Verständnis aufzubringen hat mir schließlich das Herz geöffnet und ich fühle mich sehr gut dabei. Ich habe auch diesbezüglich keine tiefen Enttäuschungen erlebt, fühle mich gut aufgehoben, und in der Annahme bestätigt, daß das Öffnen des Herzens in der heutigen Zeit verlernt wurde.Wie sehen Sie die Bereiche Privatleben und Beruf? Meine Familie hat mir immer sehr viel bedeutet. Ich habe drei Söhne, wovon einer mit 28 Jahren an einer Krankheit verstarb. Meine Frau ist 1997 verstorben, und somit habe ich mit meinen zwei Söhnen intensivierten Kontakt. Ich habe keine Hobbies, außer geistige Inseln zu finden. Samstags gehe ich z.B. ins Kaffeehaus und studiere die Zeitungen. Ein weiteres Beispiel: Ich habe mir mit meinen Söhnen einen Kindheitstraum erfüllt - eine elektrische Eisenbahn.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir haben im Haus sehr gute partnerschaftliche Beziehungen, jeder ist sich seiner Aufgabe bewußt. Mit meinen mir unmittelbar unterstellten Mitarbeitern führe ich ein bis zwei Mal im Monat ein Gespräch, um abzuklären, wie es läuft. Ich war nie von dem Gedanken besessen Oberkommandierender zu sein, sondern bin eher bemüht klarzustellen, daß ich der Chefarzt des Hauses bin und auch erwarte, daß sich jeder Mitarbeiter mit seiner Aufgabe identifiziert. Schließlich versuche ich als Vorbild zu wirken. Ich versuche die menschliche soziale Komponente ins Spitalswesen einzubringen.Was bedeutet menschliche, soziale Führung in einem Krankenhaus? Wenn sich die Mitarbeiter an die Aufgaben einerseits und andererseits an die hierarchischen Strukturen halten. Nach den 20 Jahren, die ich in diesem Haus bis jetzt verbracht habe, kann ich sagen, daß ich über alles was hier läuft auch informiert bin. Wir bemühen uns im gegenseitigen Miteinander unsere Arbeiten so zu gestalten, daß sie von der moralischen Integrität getragen werden, und sie auch gleichzeitig die Effizienz der Leistungen beinhalten. Ich stehe auch jederzeit zur Verfügung und bin auch immer zu erreichen. Ich glaube, daß dies auch zur Offenheit und Beziehung untereinander sehr viel beiträgt und ich bemühe mich auch hier mit Beispiel voranzugehen. Dies gilt auch für alle unsere Fachärzte und Schwestern. Die Frage der Beständigkeit im Hinblick auf die in jüngster Zeit aufgetretenen Mißstände in anderen Krankenhäusern ist für uns unvorstellbar. Der Begriff der Familie in diesem Haus könnte auch negativ besetzt sein. Dies ist es aber nicht. Ich habe eine sehr gute Beziehung zu den Mitarbeitern und reflektiere nicht auf meine Persönlichkeit.Gab es Vorbilder? Ich hatte eine Reihe von Persönlichkeiten, die mich sowohl in fachlicher Weise als auch als Mensch sehr beeindruckt haben. Hier möchte ich Prof.. Fellinger nennen, der mich nicht nur durch seine fachliche Kompetenz, aber auch durch seine menschliche Größe sehr beeindruckt hat. Weiters möchte ich festhalten, daß ich auch in meiner Funktion als Baon-Arzt sehr viel gelernt habe. Obwohl sehr viele Personen behaupten, daß z.B. der Militärdienst eine negative Zeit ist, so möchte ich behaupten, daß diese Zeit des Militärdienstes keine verlorene Zeit ist. Ich lernte z.B. eine Reihe von Personen kennen, denen ich sowohl in psychischer als auch physischer Hinsicht helfen konnte. Wichtig ist es heutzutage Vorbilder, nicht im Sinne des Nachmachens, zu haben, sondern die Größe von Personen zu erleben und sich davon prägen zu lassen. Vorbildhaftes zu leben bedeutet menschliche Akzeptanz zu empfinden und nicht das Nachäffen von diversen Situationen.