Zum Erfolg von Anton Holzapfel
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, berufliche und private Ziele zu erreichen. Dazu gehören fachliche und soziale Komponenten, die für eine Führungskraft unerlässlich sind.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Der ÖVI konnte im Lauf meiner Geschäftsführung ganz wesentliche Akzente im Bereich Qualitätszertifizierung umsetzen, was zu einem noch professionelleren Auftreten der Immobilienwirtschaft beitrug. Es ist für den Konsumenten jetzt wesentlich klarer ersichtlich, welche Kompetenz die Mitarbeiter von Immobilienunternehmen nun tatsächlich aufweisen, da wir einzelne Leistungen offiziell zertifizierten. Der ÖVI konnte diese Gebarung auch auf internationaler Ebene durchsetzen. Wichtig war für mich, den Qualitätsbegriff Immobilienwirtschaft voranzubringen. Dazu war es nötig, auch auf die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder zu achten. Die Mitwirkung an der Gründung der Fachhochschulstudiengänge für den Immobilienbereich in Wiener Neustadt (Vertiefungslehrgang) und Kufstein darf ich an meine Fahne heften. Hier war es notwendig, viel Zeit in die Basisarbeit zu investieren und die notwendigen Strukturen zu schaffen. Ebenso war und ist es für mich von Bedeutung, die Immobilienbranche erfolgreich an die Öffentlichkeit zu bringen. Unter anderem habe ich vor Jahren gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsmitglied und jetzigen ÖVI Präsidenten Georg Flödl ein neues Projekt initiiert und zwar die „Young Professional-Group“. Am Beginn waren es 40 Personen von Immobilienunternehmen und Absolventen von fachspezifischen Studiengängen, welche diesem einzigartiges Netzwerk innerhalb der Immobilienwirtschaft beitraten. Der Sinn und Zweck ist darin zu sehen, den fachlichen Austausch zu fördern, ein Netzwerk innerhalb der Immobilienwirtschaft zu gründen und die Kommunikation innerhalb der Gruppe zu fördern. Dies hat sich in den letzten fünf Jahren sehr bewährt, denn zurzeit sind in dieser Gruppe 170 Young-Professionals aktiv. Initiativen dieser Art stellen einen Meilenstein im Sinne der Nachwuchsarbeit dar. Darüber hinaus gelang es uns, dass die Stimme des ÖVI als Stimme der Immobilienwirtschaft immer stärker und häufiger wahrgenommen wird. Allgemein betrachtet sehe ich mich also durchaus als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ein ausgeprägtes Kommunikationsvermögen und aktiv zuhören zu können sind meiner Ansicht nach jene Faktoren, die mich neben dem politischen Gespür und dem konstruktiven Umgang mit den Medien zum Erfolg geführt haben. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Teamarbeit in einem Interessensverband ebenfalls zu den Erfolgsfaktoren zählt. Ich hatte das Glück, dass Mentoren mir immer neue Wege aufzeigten und mich auch angespornt haben. Mittlerweile bin ich selbst in einem Alter, wo ich versuche jungen Mitmenschen diese Begeisterung für unser Metier weiterzugeben.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Imitation kann etwas Positives sein, wenn man gute Dinge imitiert, aber wesentlich ist es natürlich, Innovationen zu kreieren und damit Originalität zu zeigen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
In den hervorragenden persönlichen Eigenschaften des früheren Geschäftsführers des ÖVI erkannte ich sehr viel an positiven Inhalten, die für mich insgesamt wegweisend waren.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich erfuhr durch das Umsetzen von verschiedensten Projekten wie der Veröffentlichung eines Buches oder, auf dem musikalischen Sektor, meiner CDs, Anerkennung. Aber auch die Wertschätzung meiner Arbeit durch die Mitglieder des Verbandes (550 Unternehmer der Immobilienwirtschaft und 170 Young-Professionals und ca. 70 Förderer und Partner) stellen eine äußerst wertvolle Anerkennung für mich dar.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
In den vergangenen zwanzig Jahren gab es enorme Anstrengungen, dem Image der Immobilienbranche das Ansehen zu verleihen, das diesem wichtigen Industriezweig auch zusteht. Wir haben in Österreich bei vielen guten Gesetzen mitgewirkt, so z.B. dem Maklergesetz (1996), oder dem Bauträgervertragsgesetz. Es waren und sind die österreichischen Bestimmungen und auch die Gewerbeordnung, welche die Immobilientreuhänder reglementierten. Im europäischen Kontext stellen wir ein gutes Beispiel dar, wie man mit guten Berufsregelungen den Konsumenten aber auch der Immobilienwirtschaft einen Rahmen vermittelt, mit welchen beide Seiten leben können. Mittlerweile stehe ich den Aktivitäten der EU etwas kritisch gegenüber; denn einerseits erfolgt durch die Liberalisierung der Dienstleistungsrichtlinie eine Öffnung und im nachhinein wird versucht, mit einem sehr bürokratischen Konsumentenschutz dem Kunden zu seinem Recht zu verhelfen. Dies ist nicht mein Zugang und ich glaube, soweit ich dies am österreichischen Markt beobachten kann, würden sich andere Länder gern unsere Berufsregelungen wünschen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die Mitarbeiter sind am Erfolg dieses Unternehmens wesentlich beteiligt. Dabei ist es wichtig, ihnen einen Weg und ein Ziel vorzugeben.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Sie müssen dem hohen fachlichen Anforderungsprofil des ÖVI entsprechen, und dazu gehört ein vernünftiges Maß an Hands-on-Qualität. Die Mentalität der Bewerberinnen und Bewerber ist ebenso wichtig wie die Tatsache, dass sie in das bestehende Team passen. Vertrauen und Selbständigkeit sollten ebenso vorhanden sein wie persönlicher Einsatz.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich denke, Menschen können sehr rasch erkennen, ob sie auch als Persönlichkeiten respektiert werden, und wenn dies der Fall ist, stellt diese Akzeptanz einen hohen Motivationsfaktor dar. Wichtig ist ebenfalls ihre Leistung auch dementsprechend zu honorieren und zwar nicht nur finanziell.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Stärke sehe ich darin, dass wir auch andere Interessengruppen sowohl aus dem privaten als auch aus dem öffentlichen Bereich mit einbeziehen. Wir sind nicht alleine auf der Welt, sondern es gibt zahlreiche Herausforderungen, welche immer nur im Austausch mit allen Beteiligten bewältigt werden können, die sich dieser Themen annehmen und faire Lösungen anstreben. Besonders in einer ideologiebehafteten Branche gilt es faire Lösungen für beide Seiten zu finden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Wenn man eine künstlerische Ader hat, will man sich diese nicht beschneiden lassen. Meine Musik und mein Beruf stehen in ausgleichender Wechselbeziehung zueinander.
Wie viel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich verwende genügend Zeit für die Weiterentwicklung meiner persönlichen Skills. Ich denke auch, dass meine körperliche Fitness für den Zustand der geistigen Frische wichtig ist, und deshalb betrachte ich Fitnesstraining als einen wichtigen Teil, der zur gesamten Persönlichkeitsbildung beiträgt. Genau betrachtet, stellt die eigene Fortbildung einen laufenden Prozess dar, da ich in den Gesetzgebungsprozess miteingebunden bin. Insofern besitze ich einen Startvorteil und es ist eine typische Aufgabe eines Verbandes eine Vordenkerrolle zu praktizieren. Weiters gilt es darauf zu achten, wie sich die einzelnen Vorgänge weiterentwickeln und somit lege ich meinen Fokus auf die verschiedensten Themenkreise. So z.B. absolvierte ich im Jahre 2015 eine Ausbildung zum zertifizierten Erwachsenenbildner. Diese Ausbildung unterstützt Führungspersonen im Alltag eines Bildungsunternehmens von Wissensvermittlung bis hin zum Konfliktmanagement.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich rate jungen Menschen zu eigenständigem Denken. Man sollte schon während der Studienzeit Eigeninitiative entwickeln und dokumentieren, nur dann wird man als Unternehmer oder leitender Angestellter erfolgreich sein. Für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Immobilienwirtschaft zählen in erster Linie, Hausverstand und Neugierde. Im Immobilienbereich geht es umTechnik, Recht und Wirtschaft, wobei man Generalist sein sollte. Das persönliche Interesse an einem dieser Bereiche darf sich aber im Spezialistentum gern wiederfinden. Die Bevölkerungsentwicklung in Österreich bringt es mir sich, dass die Nachfrage nach Wohnungen ungebrochen ist und immer mehr Menschen in die Ballungszentren streben. In den Städten gibt es den mehrgeschossigen Wohnbau und daher werden auch mehr professionelle Immobilienberufe in der Stadt zu finden und gefragt sein als im ländlichen Raum. Und dieser Zustand wird sich in den nächsten 20 Jahren nicht ändern. Daher wird man auch in Zukunft qualifizierte Mitarbeiter im Immobilienbereich benötigen. Die Ausbildung hat sich in den letzten 20 Jahren sehr zum Vorteil verändert. Es erfolgte eine Akademisierung der Branche, es gibt zahlreiche fachspezifische Lehrgänge an Fachhochschulen und Universitäten. Auch das Thema der Digitalisierung rückt immer mehr und mehr in den Vordergrund. Arbeitsabläufe und Strukturen werden durch Digitalisierung vielleicht verändert, aber in der Begegnung zwischen Vermieter und Mieter, Käufer und Verkäufer wird nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt stehen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich erreichte bisher sehr viele meiner Ziele, und meine allgemeine positive Grundhaltung hat auch das berühmte Quäntchen Glück gefördert, das man für den beständigen Erfolg ebenfalls benötigt. Ich denke daher, dass es für die Zukunft ein gutes Ziel ist, noch mehr auf eine ausgewogene Work-Life-Balance zu achten.