Zum Erfolg von Gerald Kapun
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, ein Ziel, das ich mir setze, auch zu erreichen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Engagement, Durchhaltevermögen und auf die unterschiedlichsten Anliegen der Gäste individuell eingehen zu können, sind für einen guten Gastwirt die Grundvoraussetzung. Um langfristig bestehen zu können, überlege ich mir jeden Schritt sehr genau und versuche, konkrete Wege so weit wie möglich im Voraus zu planen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Am wichtigsten waren für mich sicher meine Eltern. Aber auch mein Publikum, das sich unter anderem aus Geschäftsleuten, Politikern und Künstlern zusammengesetzt, ist für mein Selbstverständnis als Gastwirt wie als Mensch sehr wichtig.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Es gibt leider immer wieder Gastwirte, die mit wenig Engagement und Wissen arbeiten und sich in der Folge zu wenig um den Betrieb kümmern. Der Schiffbruch ist somit natürlich vorprogrammiert. Die Konzessionen werden offensichtlich auch viel zu leichtfertig vergeben, was sich nicht zuletzt auch darin zeigt, daß das Gastgewerbe die meisten Konkurse zu verzeichnen hat. Es ist wesentlich einfacher, einen Betrieb zu eröffnen, als ihn jahrelang gut zu führen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Für mich ist vor allem die langfristige Mitarbeiterbindung sehr wichtig, da wir als Gasthaus mit traditioneller Küche ganzjährig eine konstant hohe Qualität bieten müssen, um unsere Gäste zufriedenzustellen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Papier ist geduldig. Ich kenne Fälle, wo ich die besten Noten sah, die Praxis jedoch das Gegenteil zeigte. In einer vierzehntägigen Probezeit offenbart sich bereits sehr viel, wobei für mich vor allem der erkennbare Wille, gut zu arbeiten, sehr wichtig ist. Nach dieser Probezeit werden die Mitarbeiter voll in den Betrieb integriert.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wer gut arbeitet, kann sich auch einen höheren Lohn erwarten. Dieser kann jedoch nicht die einzige Motivation sein. Ausschlaggebend ist für mich die Bereitschaft, sich in den Betrieb einzufügen und sein Bestes zu geben. Wenn dieser Wille gegeben ist, entsteht zumeist ein gutes persönliches Verhältnis zwischen mir und meinen Mitarbeitern, wobei ich versuche, Fehler nicht zu hoch zu bewerten. Außerdem haben wir an Samstagen und Sonntagen geschlossen, was meinen Mitarbeitern ein geregeltes Familienleben ermöglicht.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Wir sind sehr auf Qualität bedacht, wobei wir auch großen Wert auf ein gutes innerbetriebliches Klima legen. Diese Qualität setzt sich aus gutem Service, einer geschmackvollen Küche und verantwortungsbewußter Betriebsführung zusammen. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? In der Grazer Schönaugasse gibt es mehr als zehn Lokale, wobei wir Gastwirte uns nicht nur sehr gut verstehen, sondern uns auch in einem Verein, dem „Treffpunkt Schönaugasse“ organisieren. Unsere Gasse wurde im Zuge der Kulturhauptstadt 2003 sehr schön gestaltet, dabei hatten die Wirte ein ausgeprägtes Mitspracherecht.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mein Arbeitstag dauert etwa 15 Stunden. Das Privatleben kann also nur am Wochenende stattfinden, wobei allerdings am Samstag die organisatorischen Arbeiten erledigt werden müssen. Da meine Frau im Betrieb mitarbeitet, ist das Privatleben in den Beruf integriert.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich würde gerne mehr Zeit in Fortbildung, etwa im Computerbereich, investieren. Die Gespräche mit den Gästen sind aber auch nicht zu unterschätzen, da hier nicht selten sehr viel Information - zum Beispiel im Bereich der Weinkultur - weitergegeben wird.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Es ist von eminenter Wichtigkeit, als Chef selbst soviel wie möglich im Betrieb anwesend und mit Herz und Seele bei der Sache zu sein. Das Optimum ist dann gegeben, wenn man das Gewerbe wirklich von der Pike auf lernt. Sich gute Mitarbeiter zu suchen, die zuverlässig arbeiten, ist ebenfalls unerläßlich. Gäste langfristig für sich zu gewinnen ist schwer.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Vorrangig möchte ich gesund bleiben. Weiters ist es mein Anliegen, den Betrieb auszubauen, zu modernisieren und neue Gäste zu gewinnen.
Ihr Lebensmotto?
Die Dinge des täglichen Lebens ernst nehmen, ohne die nötigen Freiräume dabei zu vergessen.