Zum Erfolg von Romed Karré
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich teilt sich Erfolg in einen privaten und einen beruflichen Bereich. Mein privater Erfolg spielt die größte Rolle in meinem Leben und liegt darin, meine Familie zusammenzuhalten und das Gefühl zu haben, dort Geborgenheit zu erfahren wie auch zu geben. In dieser Partnerschaft, die auch meine Tochter mit einschließt, darf niemand vernachlässigt werden - wir leben eine Form der Demokratie unter drei Menschen. Der berufliche Erfolg liegt für mich darin, zu sehen, wie meine Mitarbeiter umsetzen, was ich von ihnen erwarte. Mein persönlicher Erfolg ist für mich weniger relevant als der meiner Mitarbeiter: Inbegriff des Erfolges ist für mich ihre Fähigkeit, Ziele zu erreichen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe mich im Sinne meiner Definition als erfolgreich. Meine Entscheidungen waren bisher sowohl im Beruf als auch im Privatleben von Erfolg gekrönt - die wichtigste traf ich in jungen Jahren, als ich um die Hand meiner Frau anhielt, mit der ich mittlerweile seit 19 Jahren glücklich verheiratet bin.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich wuchs als ältestes von fünf Kindern auf und war schon in jungen Jahren daran gewöhnt, die Führungsrolle zu übernehmen, ohne Autorität auszuüben. Ich lernte in dieser Zeit auch durch die Ausübung von Mannschaftssportarten, mich zurückzunehmen, weil ich verstand, daß das Team nur durch echte Zusammenarbeit erfolgreich sein kann, nicht so sehr durch die Begabung der einzelnen Individuen. Ein Spezialist, der als Einzelkämpfer versucht, zu Erfolg zu kommen, kann nicht reüssieren; Erfolg bedingt das Zusammenspiel aller Kräfte. Ausschlaggebend für meinen Erfolg ist meine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. In rund 80 Prozent aller Fälle entscheide ich richtig, die restlichen Prozent Fehlentscheidungen nehme ich in Kauf. Ich könnte sicher nahezu hundertprozentig, also immer, richtig entscheiden, aber das würde zuviel Zeit kosten. Die 20 bis 30 Prozent an falschen Entscheidungen sind der Preis des Lernens.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Unerwartete Ereignisse gehören in dieser Branche zum Alltag. Wesentlich ist es, beim Abstieg in so ein Tal nicht meine gesamte Energie zu verbrauchen, sondern mich für den neuerlichen Aufstieg zu rüsten.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich habe mich bisher dreimal für Veränderungen entschieden, die mich auf meinem persönlichen Weg weiterbrachten. Es handelte sich dabei jeweils um das Angebot, in ein anderes Unternehmen zu wechseln, und es war dreimal die richtige Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Ich habe immer zur Originalität tendiert, weil alles andere Zeitverschwendung ist. Sicher ist es mitunter notwendig, etwas zu imitieren, aber ich bin ein Mensch, der nur erfolgreich sein kann, wenn er Spaß an seiner Arbeit hat. In dem Moment, wo mir dieser abhanden kommt, ist es besser, die Sache gut sein zu lassen. Die ausgetretenen Pfade sind nicht meine Leidenschaft, wenngleich ich gezwungen bin, vieles auszuprobieren, wenn ich einen Weg zum erstenmal beschreite.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Man wird mit zunehmendem Alter immer eitler, und die Schwierigkeit liegt darin, zwischen echter Anerkennung und solcher, mit der sich jemand Vorteile verschaffen will, zu unterscheiden. Ich lasse Anerkennung quasi über mich ergehen und lege dabei immer Wert auf die Meinung meiner Frau, die mit beiden Beinen am Boden steht und mir nicht schmeicheln muß.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Mitarbeiter in meinem engen Umfeld wähle ich nach ihrer Fähigkeit aus, Menschen führen zu können. Wichtig ist mir auch die Bereitschaft, die eigene Meinung zu sagen, dabei zu bleiben und sich nicht zu sehr lenken zu lassen. Ein wichtiges Kriterium in der Auswahl meiner Mitarbeiter ist mein Bestreben, Leute zu finden, die völlig anders funktionieren als ich selbst: meine Führungskräfte sind in ihrer Unterschiedlichkeit nicht zu überbieten. Charaktere, die meinem gleichen, brauche ich nicht - dafür habe ich mich selbst, ich brauche ein Spektrum von 360 Grad, um alle Bereiche abdecken zu können, die ein Führungsteam erfolgreich machen. Meine engsten Mitarbeiter sind Individualisten, die wissen, was sie wollen, aber dennoch teamfähig sind.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Ich gehe davon aus, daß in Zukunft Breitband-Internet unser Hauptprodukt sein wird, die Sprachtelefonie wird dann nur mehr nebenbei angeboten werden. UTA zeichnet sich durch ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis aus und richtet das Angebot sowohl an Privatkunden (derzeit rund 500.000) als auch an Unternehmer (50 Prozent der Top 500 zählen zu unserem Kundenkreis) und letztlich an internationale Geschäftskunden, beispielsweise alternative Mobilfunkbetreiber. Am Privatsektor argumentieren wir vor allem mit dem Preis, aber auch mit unserer Marke und der sympathischen Kampagne UTA schmeckt einfach besser, die uns wesentlich vom Mitbewerb unterscheidet. Unsere Geschäftskunden schätzen vor allem die individuelle Betreuung; technisch unterscheidet sich unser Angebot ja kaum von dem der Konkurrenz. Im internationalen Umfeld knüpfen wir quasi dort an, wo die Monarchie aufgehört hat - wir werden als Österreicher geschätzt und stellen aufgrund der Tatsache, daß wir ein alternativer Betreiber sind, keine Bedrohung sondern eine Bereicherung dar.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Zu Beginn meiner Tätigkeit bei UTA war meine Situation denkbar extrem, denn ich pendelte zwischen Wien und Innsbruck. Während ich unter der Woche ausschließlich für meinen Beruf lebte, widmete ich mich am Wochenende dem Privatleben, ehe sich meine Familie entschloß, mir nach Wien zu folgen. Für mich wäre, wie es für viele Männer in der Telekom-Branche gebräuchlich ist, nie in Frage gekommen, mein Privatleben dem beruflichen Bereich unterzuordnen. Deshalb war es mir wichtig, vorab zu klären, wie meine Familie und ich damit umgehen würden, denn im Nachhinein ist es zu spät.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich investiere jährlich in Managementtrainings, etwa in St. Gallen, im technischen bzw. fachlichen Bereich bilde ich mich ohnehin nebenbei durch meine tägliche Arbeit fort. Im Moment lerne ich gerade Russisch, weil es mich interessiert. Weiters bilde ich mich sehr intensiv im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, Streß-, Zeit-, Konflikt- und Projektmanagement, etc. fort, und zwar schon seit meiner Jugend.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Einem jungen Menschen würde ich raten, sich nicht blindlings ins Berufsleben zu stürzen und dann erst zu überlegen, was sich für das Privatleben noch ausgeht, denn dieser Weg ist zum Scheitern verurteilt. Wenn man eine erfolgreiche Position anstrebt, muß man zuvor mit sich selbst eine Vereinbarung treffen, wie man auf Dauer eine Balance von 50:50 in der Wertigkeit von Beruf und Privatleben herstellen und halten kann. Erfolg in beiden Bereichen ist deshalb so wichtig, weil es sowohl im Beruf als auch im Privatleben immer Phasen gibt, in denen es nicht so gut läuft. Man braucht den Ausgleich, um das kompensieren zu können. Grundsätzlich sollte man im Sinne eines Lebenszieles agieren, das man immer vor Augen hat. Dieses große Ziel gibt die Richtung vor, was immer sich dazwischen auch an Bergen und Tälern auftut. Wer sich mit den Bergen auskennt, kennt das Phänomen, daß der Gipfel oft zum Greifen nahe erscheint, während man in Wirklichkeit noch mehrere Täler durchwandern muß, um dort anzukommen. Wer aber weiß, wohin er will, soll alle Anstrengungen auf dem Weg dorthin in Kauf nehmen und nicht aufgeben.