Zum Erfolg von Henrik Wojnar
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg definiert sich für mich im unschätzbaren Glück einer erfüllenden Partnerschaft, die in ihrer umfassenden Größe nicht nur emotionale Stabilität gewährleistet, sondern, wie in meinem Fall, eine ergänzende Rolle auch im Unternehmen übernimmt. Meine Frau und ich erlebten gemeinsam alle Höhen und Tiefen des Unternehmensaufbaues. Während ich an vorderster Front nach vorwärts stürmte, sicherte sie mich, indem sie mir durch ihr Organisationsgenie und Führungstalent den Rücken freihielt. Unser Tagespensum war immer 16 Stunden. Wir ergänzten uns in unseren Stärken und arbeiteten an unseren Schwächen. Unser hart erarbeiteter Erfolg kam nicht über Nacht, er kam Schritt für Schritt.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine Gabe, mich auf das wesentliche zu konzentrieren, mein technisches Wissen und meine Produktionsideen sind hier wohl als ausschlaggebende Faktoren zu nennen. Meine Vision, Handarbeit maschinell umzusetzen, um große Stückzahlen zu moderaten Preisen zu produzieren, trug nach ihrer Realisierung rasch die entsprechenden Früchte. Dabei war es mir immer wichtig, Mensch zu bleiben und jederzeit ein offenes Ohr für die Probleme meiner Mitarbeiter zu haben. Von meiner Gattin lernte ich, auftauchende Probleme sofort in Angriff zu nehmen, da sie am wenigsten Schaden anrichten können, wenn ihre Tragweite abschätzbar wird. Unser harmonisches Zusammenleben sowie unsere gute Zusammenarbeit sind für mich die wesentlichsten Faktoren meines Erfolges.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Meine drei Töchter arbeiten bei mir im Unternehmen und erfüllen ihre jeweilige Tätigkeit mit vollstem Engagement. Mit ihrer Bereitschaft, ihren Beitrag in das Familienunternehmen einfließen zu lassen, treten sie in die Fußstapfen ihrer Mutter; durch ihre Identifikation mit dem Betrieb erkennen sie die Leistungen ihrer Eltern an. Auch meine Mitarbeiter kennen die Geschichte des Unternehmens, ich leite von ihrem hohen Einsatz hohe Wertschätzung und großen Respekt vor den Leistungen meiner Gattin und mir ab. Meine Freunde schätzen mich als Person, die eng mit dem Werden des Unternehmens verknüpft ist. Sie unterstützen mich zur Zeit sehr, den Schmerz über den Verlust meiner Frau zu mildern; dies rechne ich ihnen hoch an.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Der Mitbewerb innerhalb unserer Branche ist sehr aggressiv, aber auch Ansporn für mich, der Beste zu sein.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Originalität führt eher zum Erfolg, da wir aber selbstverständlich auf die Wünsche unserer Kunden eingehen müssen, ist Imitation manchmal vonnöten. Auch andere haben, so wie ich, gute Ideen. Nicht all unsere Produkte sind selbst erfunden, aber sicher selbst erarbeitet. Denn auch bereits vorhandene und übernommene Ideen müssen mit technischem Know-how, viel Erfahrung und Kreativität umgesetzt werden.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld beim Erfolg? Meine Familie ist für meinen Erfolg das wichtigste. Wenn der private Hintergrund nicht funktioniert, bedeutet dieser Energieverlust fehlendes Kraftpotential für den geschäftlichen Erfolg: Dies gilt in besonders hohem Maß für einen Familienbetrieb. Eine ebenso tragende Rolle spielen die Mitarbeiter - ohne zuverlässige und fleißige Mitarbeiter wird ein Unternehmen kaum existieren, geschweige denn florieren können.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Von Mitarbeitern der Führungsebene verlange ich 120-prozentigen Einsatz und Identifikation mit dem Firmenziel. Qualifikation und Ausbildung spielen für mich generell eine zweitrangige Rolle, denn durch Leistungsbereitschaft und Engagement wächst ein Mitarbeiter quasi von selbst in seinen Tätigkeitsbereich hinein. Wichtig ist es mir, in der Führungsebene die Fluktuation so gering wie möglich zu halten, denn nur durch innere Stabilität kann ich das Unternehmen in jeglicher Form absichern.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Man muß auf die Eigenschaften der einzelnen Personen eingehen können, um eine vertraute Basis, die auch Kritik verträgt, zu schaffen. Durch Delegieren von Arbeitsbereichen und entsprechender Verantwortung gewährt man Selbständigkeit, die wiederum zu höherer Motivation führt. Wenn einmal ein Fehler passiert, verbieten sich Vorwürfe für mich von selbst: Vielmehr ist in solchen Fällen meine helfende Hand bei der Problemlösung gefragt.
Wie ist Ihr hierarchischer Strukturkoeffizient?
Ich beschäftige derzeit 110 Mitarbeiter. Wir haben sechs Ebenen, zunächst gibt es mich, dann, seitdem ich die Firma in eine Stiftung einbrachte, meine drei Töchter als Geschäftsführerinnen, welche völlig selbständig das Tagesgeschäft führen; ihnen zur Seite steht unser langjähriger Betriebsleiter als Geschäftsführer ohne kaufmännische Handelsmacht, aber betraut mit allen innerbetrieblichen Befugnissen. Es folgt die Ebene des Einkaufs, ein Produktionsmanager, der für einen reibungslosen Betriebsablauf sorgt, ein Werkstättenteam (dieses ist bei unserem vollautomatisierten Betrieb äußerst wichtig). Unter dem Produktionsmanager sind die diversen Abteilungsleiter und deren Stellvertreter tätig. Wesentlich für den Erfolg der Firma ist die Tatsache, daß unsere Mitarbeiter sehr selbständig arbeiten. In unserem Unternehmen herrscht ein sehr kommunikatives, soziales und familiäres Betriebsklima, Probleme werden sofort besprochen.Wie begegnen Sie Niederlagen? Aus jeder gemeisterten Niederlage geht man doppelt so stark hervor. Durch Niederlagen wird oft Kreativität mobilisiert, Reserven kommen ans Licht, die man vielleicht gar nicht vermutet hätte. So gesehen sind Mißerfolge der Truppenübungsplatz für die weitere Inangriffnahme des Lebens, man muß nur den Überblick bewahren und offen sein für Neues.